Pharmazeutische Zeitung online

Blick hinter die Kulissen

02.09.2002
Datenschutz bei der PZ

Babelsberg

Blick hinter die Kulissen

von Bernd Theimann, Eschborn

Parallel zum Deutschen Apothekertag findet die diesjährige Expopharm - Internationale Pharmazeutische Fachmesse, vom 10. bis 13. Oktober 2002 in Berlin statt. Ein Besuchermagnet in der Fülle der Berliner Attraktionen ist das Potsdamer Filmmuseum und die Traumfabrik Babelsberg.

1912 begannen die ersten Dreharbeiten mit Asta Nielsen und „Der Totentanz“. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Ort ehemaliger Futtermittel- und Kunstblumenfabrikation zum führenden europäischen Filmzentrum. Regisseure wie Ernst Lubitsch, Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang und Josef von Sternberg schufen die Grundsteine für den Mythos Babelsberg.

Anfang der 20er-Jahre begann die Blütezeit der Studios. Als absolutes Meisterwerk dieser Zeit gilt der Stummfilmklassiker Metropolis. Über 36.000 Schauspieler und Komparsen ließ Fritz Lang in den gigantischen Kulissen agieren. Die speziell für diesen Film erbaute Aufnahmehalle sucht noch heute in Europa ihresgleichen.

1929 lernte der deutsche Film sprechen. In vier kreuzförmig angeordneten Ateliers erhoben die großen Mimen ihre Stimmen und eroberten plaudernd, lachend und singend die Herzen ihres Publikums: Greta Garbo, Heinz Rühmann, Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinrich George, Marika Rökk und nicht zuletzt Marlene Dietrich.

Es folgte die Zeit, in der die Propagandamaschine des Dritten Reiches auf Hochtouren arbeitete. Babelsberg blieb nicht verschont. Die Kameras surrten bis in die letzten Kriegstage. Erst als das Studio selbst unter Beschuss lag und in der Stadt die Stromversorgung zusammenbrach, gingen die Scheinwerfer aus. Zwischen 1912 und 1945 entstanden dort 1300 Filme.

Auf den Trümmern der Ufa erbaute die Deutsche Filmaktiengesellschaft, kurz Defa, für annähernd ein halbes Jahrhundert ihr Imperium auf. Wolfgang Staudte begann 1946 mit den Dreharbeiten zu „Die Mörder sind unter uns“, unter anderem mit Hildegard Knef in der Hauptrolle, damals 20 Jahre alt. Trotz der im Vergleich zu westlichen Produktionen geringen Budgets inszenierten die Babelsberger Regisseure aufwendige Literaturverfilmungen, Kinder- und Märchenfilme, Historiendramen und Musicals. Professionelles filmisches Handwerk und schauspielerisches Können brachten vielen Filmen nationale und internationale Anerkennung. In 46 Jahren Defa-Schaffen entstanden etwa 700 Kinofilme.

Im Potsdamer Filmmuseum ist eine ständige Ausstellung zur Geschichte von Babelsberg zu sehen. Filmausschnitte, Fotos, Drehbücher, Dokumente, Kostüme, Plakate, Modelle und Texte zeigen die bewegende und bewegte Geschichte des Filmzentrums. Industrie, Politik, Schönheit, Geld und Pleiten, Erfolg und Intrigen: das Zeitalter des Kinos in Babelsberg.

2000 Filme in 90 Jahren: Ein Filmjahrhundert, ein Jahrhundert der technischen und ökonomischen Umwälzungen, ein Jahrhundert der Weltkriege und Diktaturen, Blütezeit und Niedergang der beiden Filmproduktionsfirmen Ufa und Defa. Auf über 400 Quadratmetern erzählt die multimediale  Ausstellung die Geschichte des europäischen Medienzentrums Potsdam-Babelsberg. Sie beleuchtet die Menschen vor und hinter den Kulissen. Fotos, Kostüme, Requisiten, Filmausschnitte und interaktive Computer erschließen die Welt der großen Leinwandgefühle. Der Besuch ist ein ein Muss für jeden Kinofan. Top

© 2002 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa