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Heilen mit Salz und Sole

12.05.2003  00:00 Uhr
Apothekertag Bad Reichenhall

Heilen mit Salz und Sole

von Werner Dressendörfer, Bamberg

Brot und Salz sind das traditionelle Willkommensgeschenk, um Gäste herzlich zu begrüßen. Zumindest symbolisch wird dies auch den Besuchern des diesjährigen Bayerischen Apothekertags gereicht werden, der vom 23. bis 25. Mai in Bad Reichenhall stattfindet.

Als weißes Gold wurde das Salz oft bezeichnet, dem Bad Reichenhall seinen Namen und seinen Wohlstand verdankt. Reich an Salz ist das Gebiet im südöstlichsten Zipfel Bayerns tatsächlich. Es ist auch kein Zufall, dass die österreichische Nachbargegend Salzkammergut heißt und sich in den Ortsnamen Salzburg und Hallein ebenfalls der Hinweis auf das begehrte Mineral findet.

In der Gegend um Bad Reichenhall wird die Salzgewinnung schon in der Bronzezeit vor circa 4000 Jahren vermutet. Im ausgehenden 7. Jahrhundert wurde die Salzsiederei im größeren Maßstab betrieben, so dass der Bayernherzog Theodo dem Salzburger Bischof Rupert 20 Sudpfannen und einen gehörigen Anteil an der Soleschüttung „in loco qui vocatur Salinas“ übereignen konnte. Die Bedeutung dieser Schenkung lässt sich daran ermessen, dass die typische Salzkufe zum Attribut des später heilig gesprochenen Rupert wurde.

Kraftakt

Neben dem Bischof betrieben in den folgenden Jahrhunderten auch eine ganze Reihe kleinerer Herren Salzsiedereien. In einem finanziellen Kraftakt stellte man die Soleförderung vom Schöpfgalgen auf ein um 1440 eingebautes Paternosterwerk um. Das führte allerdings zu Unruhen bei den Brunnenknechten, die nun, arbeitslos geworden, um ihre Existenz fürchteten.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten schließlich dazu, dass es Herzog Georg um 1494 gelang, den Siedeherren die Rechte abzukaufen und so in Reichenhall ein staatliches Salzmonopol zu errichten. Das entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte derart gut, dass Bad Reichenhaller Salz heute Marktführer unter den Speisesalzen ist.

Auch wenn sich in Bad Reichenhall fast alles ums Salz dreht, gibt es natürlich noch sehr viel mehr zu sehen. An erster Stelle ist hier für den kunstinteressierten Besucher das mächtige ehemalige Augustinerchorherrnstift St. Zeno zu nennen. Im Jahr 1136 vom Salzburger Erzbischof Konrad I. gegründet, führt es eine schon lange bestehende Klostertradition an dieser Stelle fort. Die örtliche Überlieferung schreibt Kaiser Karl dem Großen die Erbauung um 800 zu, doch dürfte bereits vorher eine

Gründung von St. Peter in Salzburg aus erfolgt sein. Die Wahl des Patrons, der Bischof in Verona war und dessen Verehrung durch den Heiligen Korbinian nach Bayern kam, geschah mit nachvollziehbarer Überlegung. Nachdem bei einer Überschwemmung Veronas die Grabkammer des Heiligen Zeno nicht vom Wasser heimgesucht wurde, galt er als mächtiger Patron gegen Überschwemmungen, die man wegen ihrer Schäden für die Solequellen sehr fürchtete.

Die Reichenhaller Bürger unterstützten den Kirchenbau durch eine jährliche Salzabgabe, so dass schließlich 1228, nach achtzigjähriger Bauzeit, die größte romanische Basilika Oberbayerns fertiggestellt und geweiht werden konnte. Ein katastrophaler Brand zwang 1512 zu einem weitgehenden Umbau der Kirche, der die erhaltenen romanischen Bauteile dem spätgotischen Neubau einfügte. Beeindruckend wird man auch heute noch das alte Westportal empfinden, das aus verschieden gefärbtem

Untersberger Marmor im frühen 13. Jahrhundert gestaltet wurde. Zwei grimmige Löwen bewachen den Eingang, über dem Maria thront, flankiert vom Kirchenpatron Zeno und dem Salzheiligen Rupert.

Vielfalt

Im Inneren der Kirche, die nur wenig kleiner als der Salzburger Dom ist, erwartet den Besucher heute eine beeindruckende Stilvielfalt, die aber immer noch deutlich die romanischen Bauteile erkennen lässt, auch wenn das gotische Gewölbe seit fast 500 Jahren die ursprüngliche Flachdecke ersetzt. Im Hochaltar eine wertvolle geschnitzte Marienkrönung, als Seitenflügel zwei vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. gestiftete Tafelbilder.

Ein zweites romanisches Gotteshaus besitzt Reichenhall mit der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, die als Filialkirche von St. Zeno 1181 als dreischiffige Basilika erbaut wurde. Ihr alter Turm, von dem Reste noch erhalten sind, war ursprünglich Teil der Stadtmauer und diente auch als Wachturm.

Die schönen Kirchen sollten ebenso wie das historisch reizvolle Sebastiani-Viertel in der „oberen Stadt“ mit den Resten der alten Wehrmauer aber nicht von einem Bummel durch die „untere Stadt“, das Kurviertel, abhalten. Immerhin ist Bad Reichenhall die älteste Saline Deutschlands und wohl die stärkste Europas. 1834, nach einem verheerenden Stadtbrand, wurden die Salinen zusammen gefasst, und Johann Daniel Ohlmüller errichtete die Anlage der Alten Saline, deren markanter Bau vom Hauptbrunnenhaus dominiert wird. Unter ihm treten in 14 Meter Tiefe die Solequellen zu Tage und werden mit einer Pumpanlage aus der Tiefe gefördert. Gegenüber erbaute Friedrich von Gärtner, der Lieblingsbaumeister König Ludwigs I., wenig später für die Salinenverwaltung den so genannten Beamtenstock, dessen klassizistische Formen an Gebäude der Münchner Ludwigstraße erinnern.

Kuren seit 1845

1845 erhielt der Salinendirektor eine Badekonzession samt Solebezugsrecht und im folgenden Jahr eröffnete sein Schwiegersohn bereits ein Solebad mit zwölf Kabinen und einem Fremdenheim mit 15 Betten. Der eigentliche Kurbetrieb hatte begonnen. Das örtliche Angebot an Kurleistungen umfasste schon bald neben Solebädern auch Soledampfbäder, Tropfbäder, Wellenbäder, Moorbäder und Molkebäder. Bereits im Jahr 1848 begab sich der bayerische König Maximilian für einen längeren Kuraufenthalt nach Reichenhall und festige damit den Ruf des aufstrebenden Kurortes, der seinen Gästen seit 1868 auch Kurkonzerte zur Unterhaltung anbot und 1870 den Kurpark eröffnete. 1890 erhielt der Ort von Prinzregent Luitpold das Recht, im Ortsnamen das Wort „Bad“ zu führen, neun Jahre später wurde Bad Reichenhall „Königlich bayerisches Staatsbad“. 1910 entstand das 172 Meter lange Gradierwerk zur Freiluftinhalation und 1913 schließlich wurde eine Winterkurzeit eingeführt, die die Möglichkeiten der Soleanwendungen erfolgreich auf das gesamte Jahr ausdehnte. Im vergangenen Jahr machten 114.000 Gäste von diesem vielfältigen Angebot Gebrauch und brachten es zusammen auf die stattliche Zahl von rund einer Million Übernachtungen.

Bad Reichenhall ist heute eine moderne, aufgeschlossene und in ihrer Entwicklung vorwärts gerichtete Stadt. Nicht umsonst wurde sie zur Alpenstadt 2001 gewählt. Der Kurgast wird sich wohlfühlen in diesem Flair aus touristischen Sehenswürdigkeiten, einer prachtvollen Umgebung und den zahlreichen gesundheitsfördernden Angeboten.

Für die Besucher des Apothekertages bietet Bad Reichenhall eine gastfreundliche und interessante Kulisse, die sicherlich dazu beiträgt, dass der diesmal wohl nur kurze Aufenthalt bei nächster Gelegenheit eine angenehme und erholsame Fortsetzung finden wird. Top

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