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Wo Sissi einst weilte

25.02.2002
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PHARMAZEUTENTREFF MERAN

Wo Sissi einst weilte

von Bernd Theimann, Eschborn

Der Pharmazeutentreff anlässlich des 40. Internationalen Fortbildungskurses der Bundesapothekerkammer findet in diesem Jahr an einem reizvollen Platz in unmittelbarer Nähe von Meran statt: im Schloss Trauttmannsdorff. In dem Anwesen, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat, erwartet die Kongressteilnehmer ein reizvolles musikalisches Programm aus vergangenen Jahrhunderten.

Das Schloss stammt aus dem Mittelalter. Um 1500 wurde es, daher sein Name, von einem Feldherren Trauttmannsdorff gekauft. Im Laufe der Zeit verfiel das Gebäude zur Ruine. Um 1850 baute es Graf Joseph von Trauttmannsdorff wieder auf. Es gilt als das früheste Beispiel für den neugotischen Burgenbau in Tirol. Um die Jahrhundertwende übernahm ein deutscher Baron das Anwesen aus einer Konkursmasse und es erlebte eine neue Blütezeit. Nach dem Anschluss Südtirols an Italien nach dem ersten Weltkrieg wurde der Baron enteignet. In den folgenden 55 Jahren war das Schloss unter staatlicher Verwaltung und verfiel. Mit dem Autonomiestatus in den siebziger Jahren ging Trauttmannsdorff in den Besitz von Südtirol über. Das Schloss wurde zum Museum, der Park zum botanischen Garten.

Zweimal hielt sich die österreichische Kaiserin Elisabeth für längere Zeit auf dem Schloss auf. Die im Jahre 1870 noch sehr ruhige Kurstadt Meran war ihr für ihre zweijährige, kränkelnde Tochter empfohlen worden. Tatsächlich meldeten die Wiener Zeitungen wenige Wochen nach dem Einzug Sissis ins Schloss, dass es der kleinen Marie Valerie schon viel besser ginge. Das Schloss gefiel der Kaiserin so gut, dass sie es kaufen wollte. Diesen Plan ließ sie wenig später aber wieder fallen. Sie veranlasste, für ihre ausgedehnten Wanderungen um das Schloss herum, "anmuthige Fußpfade mit feinem Kies bestreut" anzulegen, um hier "ferne und ungestört vom Geräusch der Welt" spazieren gehen zu können. In den im Jahre 2001 eröffneten "Gärten von Trauttmannsdorff" kann man nun auf Sissis Pfaden wandeln.

Die botanischen Gärten

Im Auftrag der Südtiroler Landesregierung wurde 1994 der erste Spatenstich zur Errichtung dieser Gärten auf dem zwölf Hektar großen Gelände gesetzt. Die Idee, Meran einen botanischen Garten zu schenken, war über 100 Jahre alt und wurde im vergangenen Jahr Wirklichkeit. Alte Kulturpflanzen wie Oliven, Zitronen, Wein, Zypressen und Lavendel spiegeln das unverkennbare Bild des Südens wider. Spazierwege schlängeln sich den Hang empor und öffnen den Blick auf die umliegenden Berge. Treppenwege führen in abwechslungsreiche Gärten nach italienischem Vorbild, in den englischen Stauden- oder Sinnesgarten. In den Waldgärten wechseln Laub- und Nadelbäume amerikanischer und asiatischer Herkunft einander ab. Außerdem ist eine fernöstliche Tee- und Terrassenlandschaft angelegt, in der man die entspannende Wirkung eines japanischen Gartens erlebt.

Musik aus dem Mittelalter

Die Seebühne im Botanischen Garten ist am Sonntag, 26. Mai, Schauplatz einer ganz besonderen musikalischen Darbietung. Das Ensemble La Zag, bestehend aus einer Familie - Vater, Mutter und zwei Töchter - spielt auf originalgetreu nachgebauten, historischen Instrumenten wie zum Beispiel Dudelsack, Schalmei, Laute, Drehleier und Handharmonika schwungvolle Weisen und Tänze des Mittelalters und der Renaissance. La Zag interpretiert und komponiert historische Instrumentalmusik neu, um sie dem modernen Hörer schmackhaft zu machen. Ganz bewusst fließen ethnische, Orff'sche und Pop-Elemente in die Interpretationen mit ein.

Die Gruppe tritt seit mehr als zehn Jahren erfolgreich auf, unter anderem auf der Expo 2000 in Hannover, in der ARD-Fernsehsendung "Kein schöner Land" und in den Fernsehsendern ZDF, 3Sat und dem italienischen Rai. In Südtirol zählt die Gruppe zu den bekanntesten Ensembles im kulturellen Bereich. Nach dem Genuss der musikalischen Darbietung gibt es für die Teilnehmer des Pharmazeutentreffs im Schloss-Restaurant ein Büfett. Top

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