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Absurd

24.11.2003
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Absurd

Es hat mich schon sehr betroffen gemacht, in der Montagsausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung, die sich als unabhängig tituliert, lesen zu müssen, dass ich ein Mitarbeiter einer „kriminellen Vereinigung im Sinne des § 129 Strafgesetzbuch“ sein soll. Und mit mir sämtliche Mitarbeiter der ABDA, des Govi- Verlages, der Werbe- und Vertriebsgesellschaft und anderer angeschlossener Unternehmen.

Ärgerlich macht mich aber Folgendes: Mein Kollege, der Chefredakteur der DAZ, zitiert sehr ausführlich in seinem Bericht auf Seite eins aus der eingereichten Klage von Apotheker Dietmar Frensemeyer gegen die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg auf Austritt aus der ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und räumt dem Kläger auf der zweiten Seite sogar die Möglichkeit der Stellungnahme ein. Er widerspricht in seiner Kolumne aber nicht dem unglaublichen Vorwurf, die ABDA sei eine kriminelle Vereinigung, und gibt auch den Betroffenen nicht die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Peter Ditzel hat sich also mit der Anschuldigung identifiziert. Er hat sich damit genauso unkorrekt verhalten wie Jürgen Steinhoff vom Stern, dem er genau das in seinem Editorial der DAZ vom 13. November bezüglich seines polemischen Artikels über die deutschen Apotheker vorgeworfen hat. So wie Ditzel Steinhoff fragt, warum er so schreibt, frage ich jetzt ihn, warum er nicht klarstellt?

Für mich und für meine Kolleginnen und Kollegen in Berlin und Eschborn, die hauptamtlich im Auftrag der Beruforganisationen für die Apothekerschaft arbeiten und sich einsetzen, ist das rufschädigend.

Achtzehn Jahre meiner intensiven Arbeit für den Berufsstand, sowohl im berufs- und gesundheitspolitischen als auch im pharmazeutischen Sinne, werden publizistisch kriminalisiert und damit in den Dreck gezogen.

Ich kann nur dagegenhalten: Während meiner langjährigen Mitarbeit, zunächst als Leiter der Arzneimittelinformationsstelle der ABDA und dann als Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, hatte ich nie den Eindruck, für eine kriminelle Vereinigung zu arbeiten oder mafiösen Strukturen zu dienen.

Wie in jedem Verband gibt es gegensätzliche Meinungen, die offen oder auch nicht offen ausgetragen werden. Verbandsarbeit bedeutet immer das Suchen nach einem Kompromiss, der auf demokratische Weise gefunden werden muss. Demokratie heißt für mich in erster Linie, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Dass sich in dieser Richtung ein Wertewandel vollzieht, der auch vor Verbänden nicht Halt macht, gebe ich gerne zu. Doch sind dafür nicht diejenigen verantwortlich, die jetzt an den Pranger gestellt werden sollen.

Offensichtlich ist die Einstellung von Frensemeyer zur ABDA eine späte „Einsicht“, denn zumindest mir gegenüber betonte er, dass er als freier Mitarbeiter unter Dr. Gerd Uffelmann und Frau Dr. Evemarie Wolf gerne für die PZ geschrieben habe. Wenn der Vorwurf, dass die ABDA und die Tochterunternehmen eine kriminelle Vereinigung im Sinne des § 129 Strafgesetzbuch sind, zutreffen würde, dann wäre die ABDA auch damals schon kriminell gewesen. Er hätte also für eine kriminelle Vereinigung gearbeitet und sich damit strafbar gemacht. So absurd können solche Anklagen sein.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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