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Wenig Wachstum in Sicht

27.10.2003  00:00 Uhr

Wenig Wachstum in Sicht

Die meisten Experten gehen davon aus, dass das zum 1. Januar 2004 in Kraft tretende GKV- Modernisierungsgesetz nur eine kurze Verschnaufpause für die Kostenentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung bringen wird. Solange die Einnahmenseite nicht neu strukturiert wird, werden Regulierungen auf der Leistungsseite nur kurz wirken.

Auch auf den wirtschaftlichen Aufschwung in 2004 zu hoffen, erscheint mir zu blauäugig. Die sechs Wirtschaftswaisen prognostizierten in ihrem Herbstgutachten zwar ein Wachstum von 1,7 Prozent für das nächste Jahr. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre steht diese Prognose allerdings auf tönernen Füßen: In den Jahren 2002 und 2003 waren die Vorhersagen zu positiv.

Schaut man sich die Begründungen für die Prognose für 2004 etwas näher an, so gehen die Experten davon aus, dass zwei Drittel des Wachstums vom Export erwirtschaftet werden. Das letzte Drittel wird den drei Arbeitstagen zugeschrieben, die 2004 mehr gearbeitet werden müssen.

Zumindest die zweite Begründung lässt Zweifel aufkommen: Auch wenn wegen der drei Arbeitstage mehr produziert wird, so ist die Ware noch lange nicht verkauft.

Und auch hinter dem Exportwachstum steht ein großes Fragezeichen. Die erhoffte Steigerung kann nur erreicht werden, wenn der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wird. Ob dies eintrifft bleibt abzuwarten.

In einem anderen Punkt gebe ich den Experten allerdings Recht: Auch im kommenden Jahr wird die Beschäftigtenzahl nicht steigen, selbst wenn das Wirtschaftswachstum tatsächlich 1,7 Prozent erreichen sollte. Konsequenterweise rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute für 2004 mit einer Arbeitslosenzahl von weit über 4 Millionen. Die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung werden deshalb auch 2004 nicht wesentlich mehr werden.

Schon jetzt steht deshalb fest: Das In-Kraft-Treten des GMG wird die Diskussion über die Finanzierbarkeit der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht beenden. Ulla Schmidt weiß das und bereitet jetzt schon den Boden für künftige Reformen: Wiederholt hat sie eine weitere Liberalisierung des Arzneimittelmarktes angekündigt.

Die Apothekerschaft sollte deshalb mit den Marktbeteiligten eigene Vorschläge erarbeiten, um die Arzneimittelversorgung auch für die Zukunft zu sichern. Ansonsten drohen unausgegorene Gesetzesentwürfe der Parteien.

Hausapothekenmodelle, die zurzeit verträglich geregelt werden, oder intelligente Lösungen für die Bündelung der Einkäufe können den Weg in eine sicherere Zukunft der Apotheken weisen.

Auf ein stabiles Wirtschaftswachstum zu warten, wäre womöglich eine langwierige und erfolglose Angelegenheit. Ein Wirtschaftswunder ist eben nicht in Sicht.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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