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ABDA gestärkt

22.09.2003  00:00 Uhr

ABDA gestärkt

Der Deutsche Apothekertag 2003 in Köln verlief anders, als es viele erwartet hatten. Eine sachliche, ruhige Arbeitsatmosphäre und große Disziplin prägten die Diskussionen in der Hauptversammlung. Sie machten es möglich, dass sie bereits am Freitagabend abgeschlossen werden konnte.

Noch wenige Tage zuvor war von ABDA-Kritikern zum Sturz der Dachorganisation der deutschen Apotheker aufgerufen worden. Entsprechende Anträge für die Hauptversammlung geisterten durch den Äther. Aber nichts passierte. Auch die Initiatoren des Protestes zeigten sich nicht auf der Hauptversammlung. Sie scheuten offensichtlich die Öffentlichkeit und waren nicht mutig genug, ihren Protest vor mehr als 300 demokratisch legitimierten Delegierten vorzutragen. Vielleicht hatten sie auch eingesehen, dass ihre Argumente nicht stachen.

Auch die für Samstag, 16.06 Uhr, angesagte »Apo-Mopp«-Aktion, vom Flash-Mob abgeleitet, die sich mit der symbolischen Abgabe eines Löffels am ABDA-Stand hauptsächlich gegen das Kombimodell richten sollte, lief ins Leere und wurde zu einem unpolitischen Happening.

Trotzdem spürte man die Verunsicherung vieler Apothekerinnen und Apotheker. Die meisten wollten wissen, was am 1. Januar 2004 auf sie zukommt. Verunsicherung ist aber meist die Folge eines Informationsdefizits. Dieses zu minimieren war das erklärte Ziel der Hauptversammlung. Dazu wollten Landesorganisationen und ABDA beitragen und die Basis umfassend informieren und auf die neue Situation vorbereiten.

Eins wurde in Köln deutlich: Die Apotheker wollten nicht mehr über ausgelassene Chancen reden, sondern gemäß dem Apothekertagsmotto die Herausforderungen annehmen und die Zukunft selbst gestalten. Eine Aufbruchstimmung war zu spüren. Ein erstes Zeichen setzte die ABDA mit der Freischaltung des neuen Aponets, bei dem der Verbraucher oder Patient nicht nur sein Arzneimittel bestellen, sondern auch die Zustellung per Boten anfordern kann. Aus meiner Sicht zum richtigen Zeitpunkt die richtige Antwort auf den ab Januar 2004 zugelassenen Versandhandel, wie auch die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, anerkennend der ABDA attestierte.

Ein Zeichen für die Aufbruchstimmung im Berufsstand war sicher auch die sehr hohe Zahl der Expopharm-Besucher. Die Kolleginnen und Kollegen suchten Anregungen und Hilfestellungen für die Zeit mit dem GMG. Gefragt waren in erster Linie die Software-Firmen und die Anbieter von Kooperationen. Für die Berufsorganisationen wird es wichtig sein, den Kolleginnen und Kollegen an der Basis Konzepte an die Hand zu geben, wie sie mit den vermeintlich neuen Freiheiten bezüglich Versandhandel, beschränktem Mehrbesitz und Preisfreigabe im OTC-Markt umgehen sollen. Auch das war erklärtes Ziel der Hauptversammlung.

Mein Fazit des diesjährigen Apothekertages ist: Der Berufsstand verfällt nicht in Resignation, er blickt in die Zukunft und will sich auf sie vorbereiten. Das Ziel ist es, die freiberufliche Tätigkeit der Apothekerin und des Apothekers und die unabhängige Apotheke zu stärken.

Entgegen vieler Voraussagen ist die ABDA gestärkt aus dem Apothekertag hervorgegangen, weil die meisten erkannt hatten, dass Geschlossenheit in schwierigen Zeiten das Konzept ist, das den größten Erfolg verspricht.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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