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Sinn des Lebens

24.07.2000
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- EditorialGovi-Verlag

Sinn des Lebens

von Gisela Stieve,
stellvertretende Chefredakteurin

Neue Wege ist der Baden-Württembergische Apothekertag 2000 gegangen. Keine Nabelschau, kein Lamento, kein Closed-shop, sondern interdisziplinäre Fortbildung, Diskussionen, Blicke nach vorn und Besinnung. Nachdenken über das eigene Tun und den Sinn des Lebens – auch des Sterbens – hat Apothekern und den Bürgern, die bei diesem Verbandstag willkommen waren, wie ich meine, hochinteressante Impulse gegeben.

Nach den Worten des Theologieprofessors Dr. Hans Küng machen wir es uns zu leicht, wenn wir einen Werteverlust beklagen. Wir müssen uns vielmehr intensiv und persönlich engagiert mit dem Wertewandel beschäftigen, der auch den Apothekern neue Aufgaben hat zuwachsen lassen. Nicht das Pharmakon sei der Horizont des Apothekers, sondern die Betreuung und Begleitung seiner Patienten und Kunden - auch bis zum Tod.

Küng sagte dies nicht, um die Aufgabe im Dienst am Patienten schwerer, sondern leichter zu machen. Denn wer als Arzt, Pfleger oder Apotheker um den Sinn des Lebens weiß, braucht die Fragen nach dem Sinn des Sterbens nicht zu fürchten, so der Festredner. Auch hier sollte uns das Wohl und der Wille des kranken Menschen oberstes Gesetz sein.

So forderte Kammerpräsidentin Karin Wahl die Kolleginnen und Kollegen auf, sich Zeit für die Patienten zu nehmen und Gesprächen nicht auszuweichen. Damit erfüllen Apotheker eine humanitäre Aufgabe im Gesundheitswesen.

Gleiches klang in den Worten von Professor Dr. Gerd Nagel an, dem wissenschaftlichen Direktor der Klinik für Tumorbiologie Freiburg. Er sieht die Heilberufler als "von Berufs wegen berufenen Berater". Ungefilterte Informationen würden den Patienten meist verunsichern. Erst die professionelle und einfühlsame Beratung könne ihm die notwendige Orientierung geben. Nachdem ein älterer Apotheker neulich zu Nagel gesagt habe: "Beratung – soll ich das auch noch tun?", sieht der Arzt in der pharmazeutischen Beratung einen Auftrag vor allem für die jüngere Generation. Eine andere Einstellung öffne dem Internet Tür und Tor.

Beim gesundheitspolitischen Frühschoppen am Sonntag haben Politiker, Wissenschaftler und Patientenvertreter konkrete Wünsche an die Apothekerschaft gerichtet. Wer es immer noch nicht glauben will: Es ist in der Tat die Beratung, die die Bevölkerung erwartet, braucht, aber offenbar noch nicht als Dienstleistung ganz selbstverständlich überall bekommt. Vielleicht sind die Bürger noch nicht mutig genug, diese Beratung mit Nachdruck einzufordern.

Dass zu einigen Programmpunkten des Kongresses nur sehr magere Teilnehmerzahlen zu verzeichnen waren, ist auch ein politisches Zeichen, das der Sozialminister des Landes sehr wohl registriert und daraus seine Schlüsse gezogen hat. Der Baden-württembergische Ärztetag hatte sich kürzlich selbstkritisch die Frage gestellt "Welche Ärzte braucht das Land?", berichtete Karin Wahl und fragte ihre Kollegen: Welche Apotheker braucht das Land?

Jeder muss entscheiden, ob er sich darauf einlässt, über den Sinn des Lebens und seines Tuns zu reflektieren. In der vielseitigen Form, wie wir es auf dem Apothekertag in Freiburg getan haben, hat es sicherlich jedem neue Erkenntnisse gebracht. Top

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