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Honneurs

14.06.1999
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- EditorialGovi-Verlag

Honneurs

von Gisela Stieve,
Stellvertretende Chefredakteurin

Die Honneurs, die der deutschen Apothekerschaft und ihrem System der Arzneimitteldistribution samt Beratung in Berlin gemacht wurden, waren für unsere Ohren fast zu schön, um wahr zu sein. Solche Anerkennung, auch noch in internationalem Rahmen ausgesprochen, ist wirklich selten (siehe Bericht).

Beim viertägigen Kongreß der Selbstmedikationshersteller – es trafen sich der europäische und der Weltverband – haben 700 Teilnehmer alle Seiten dieses gesundheitspolitisch so wichtigen Segments beleuchtet. Wie ein Refrain war immer wieder zu hören: Zur Apotheke gibt es keine Alternative, nur der Apotheker kann den Patienten beraten, Arzneimittel dürfen nicht vorbei am Apotheker aus dem Internet bezogen werden können; und: Der Apotheker ist in seiner Apotheke jederzeit für jeden – ohne Termin und Anmeldung – zu sprechen.

All das kommt nicht von ungefähr. Die ständigen Bemühungen um eine Anpassung des Berufsbildes an die neuen medizinischen Erkenntnisse und an die Erwartungen der Gesellschaft zeitigen ihren Erfolg.

Auch die "charter of collaboration", die der Weltverband der OTC-Hersteller mit der internationalen Apothekervereinigung FIP in Berlin unterzeichnet hat, ist ein Beweis dafür, daß sich niemand einfach zurücklehnt, wenn es um eine gute und sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln geht.

Mißklänge waren natürlich von EU-Kommissar Dr. Martin Bangemann zu hören. Er will die totale Marktwirtschaft mit grenzenlosem Wettbewerb. Er kann sich nicht vorstellen, daß in Deutschland ein Paket mit ausländischem Absender beschlagnahmt wird, nur weil es hierzulande verschreibungspflichtige Arzneimittel enthält.

Kommission und Mitgliedstaaten sind sich zwar einig, daß es keinen electronic commerce für verschreibungspflichtige Arzneimittel geben soll. Nur ist niemand ernsthaft damit befaßt, diesen Handel weltweit wirksam zu beschränken.

Wir sind also gut beraten, im eigenen Land Maßstäbe zu setzen, die - wie in Berlin gesehen – andernorts durchaus Beachtung finden. Der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) steht hinter der Apothekerschaft als dem Absatzkanal Nummer 1 für rezeptfreie Arzneimittel. Daran ließ BAH-Geschäftsführer Dr. Mark Seidscheck in einem Gespräch am Rande des Kongresses keinen Zweifel. Die Zukunft der Apotheken aber, so Seidscheck, liegt in deren eigenen Händen.

Da freiverkäufliche Arzneimittel bekanntlich auch weiterhin ihren Weg an der Apotheke vorbei zum Verbraucher finden, müssen sich die Pharmazeuten auf ihre Art gegenüber Tankwart und Supermarktverkäufer profilieren, indem sie auf ihre Kunden zugehen und die Frei- und Sichtwahl als pharmazeutisches Angebot deutlich machen.

Ich glaube, Prävention und Wellness können ebenso zu apothekerlichen Leistungen werden wie die traditionelle Arzneimittelversorgung. Wir müssen nur die Zeichen der Zeit erkennen und die neuen Leistungen unserem Dienstleistungsangebot hinzufügen. Und wir müssen dabei Maßstäbe setzen. Die Honneurs sind uns sicher. Top

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