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Freier Beruf

12.05.2003  00:00 Uhr

Freier Beruf

Der Apotheker gehört zu den Freien Berufen. Er erbringt ideelle Leistungen durch Beratung und Betreuung, die von ihm selbst verantwortet werden. Er erbringt diese Leistungen nach bestem Wissen und Gewissen in beruflicher Entscheidungsfreiheit und ist von Weisungen durch Vorgesetzte oder Auftraggeber unabhängig. Damit grenzt sich die Berufausübung des Apothekers als Angehörigem eines Freien Berufes von einer materiell orientierten, gewerblichen und weisungsgebundenen Tätigkeit ab.

Dem steht auch nicht entgegen, dass der Apotheker seinen Beruf im Rahmen eines Gewerbebetriebes ausübt. Denn Arzneimittel sind keine Waren materiellen Wertes. Arzneimittel sind Problemlösungen, um Krankheiten zu erkennen, zu heilen, zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Sie dienen also dem Ziel, den bestmöglichen Gesundheitszustand eines Menschen zu erreichen und zu erhalten.

Die besondere Verantwortung des Apothekers und der Apotheke – Sicherstellung der ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln – ist in Bundes-Apothekerordnung und Apothekengesetz festgeschrieben. Wir müssen jedoch feststellen, dass das Arzneimittel zunehmend als materielles Gut, als beliebige Ware angesehen wird; beim Umgang mit ihm bedürfe es scheinbar keiner besonderen Sachkompetenz und Verantwortung. Die im Entwurf des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes für die zukünftige Arzneimittelversorgung vorgesehenen Regelungen, wie Versandhandel mit Arzneimitteln oder Aufhebung des Verbotes des Mehrbesitzes von Apotheken, sind meines Erachtens deutlicher Ausdruck für diese Haltung.

Durch die geplanten Strukturveränderungen erhält das Arzneimittel den Status eines normalen Handelsproduktes und die Versorgungsqualität sinkt. Dass diese aber auch erhebliche Auswirkungen auf den Freien Beruf Apotheker und auf die Individualapotheke im Sinne einer Merkantilisierung haben würden, liegt auf der Hand. In der bevorstehenden politischen Auseinandersetzung werden wir uns deshalb weiter mit aller Kraft für den Erhalt unserer bewährten, wohnortnahen Arzneimittelversorgung einsetzen, denn sie ist der beste Verbraucherschutz.

Richtig ist die Bestrebung, die Leistungen des Apothekers zukünftig durch ein heilberuflich orientiertes Vergütungssystem zu honorieren. Und der Vorstand der Bundesapothekerkammer unterstützt dies nachdrücklich – ist das doch in vielfacher Hinsicht der Weg, den Apotheker als Freien Beruf und die Apotheke als heilberuflich geführte Individualapotheke zu erhalten.

Der Apotheker erbringt ideelle, von ihm verantwortete Leistungen, für die er eine besondere Fachkompetenz hat. Die Grundlagen werden in der Ausbildung gelegt. Es gilt aber, sie nicht nur ein Berufsleben lang zu erhalten, sondern auszubauen. Ich lade Sie daher ganz herzlich zu dem Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer - PHARMACON Meran vom 25. bis 30 Mai 2003 - ein, auf dem über eine Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse berichtet werden wird, die für unsere Berufsausübung wichtig sind.

Johannes M. Metzger
Präsident der Bundesapothekerkammer
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