Pharmazeutische Zeitung online

Verbessern

15.05.2000  00:00 Uhr

- EditorialGovi-Verlag

Verbessern

von Dr. Hartmut Schmall,
Präsident der Bundesapothekerkammer

In den vergangenen Monaten diskutierte der Berufsstand – nicht zuletzt unter dem Eindruck der im SGB V festgelegten Verpflichtung aller Leistungserbringer – intensiv über die Qualitätssicherung. Die Bundesregierung hat die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen zu einem zentralen Thema gemacht. Dies haben Gesundheitsministerin Andrea Fischer beim Deutschen Ärztetag und Wirtschaftsminister Dr. Werner Müller beim DAV-Wirtschaftsforum bekräftigt.

Auch wenn es nach wie vor kritische Stimmen gibt, so glaube ich doch, dass sich zwischenzeitlich die Einsicht durchgesetzt hat, dass ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) ein wichtiges Instrument sein kann. Einige Apothekerkammern bieten ihren Mitgliedern bereits Angebote zur Etablierung und Zertifizierung eines QMS an. Und ich bin guten Mutes, dass die übrigen Kammern, sofern die zum Teil noch erforderlichen heilberufsrechtlichen Grundlagen geschaffen sind, noch in diesem Jahr, spätestens aber 2001 folgen werden.

Zweifelsohne dient ein QMS zunächst nur als Instrument, um Prozesse zu beschreiben. Und so könnte man getreu dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht" seit Jahren praktizierte und liebgewonnene Gewohnheiten im Qualitätsmanagement-Handbuch festschreiben und sich in der trügerischen Sicherheit wiegen, man hätte Qualitätssicherung betrieben.

Das ist aber nicht Sinn und Zweck eines QMS und entspricht nicht den Vorstellungen des Gesetzgebers. Vielmehr geht es darum, dass die Qualität der Leistungen, die im Gesundheitswesen, somit auch von uns Apothekern, erbracht werden, nicht nur hinterfragt, sondern auch kontinuierlich verbessert werden. Anders ausgedrückt: Der Stand von Wissenschaft und Technik, der eigentlich kein "Stand" und schon gar kein Stillstand ist, sondern sich weiterentwickelt, muss in der täglichen Praxis angepasst und eingehalten werden.

Nun mag man vielleicht einwenden, dass wir Apotheker immer schon dazu nicht nur ethisch, sondern auch auf Grund der vielfältigen von uns einzuhaltenden Vorschriften verpflichtet sind, nach dem Stand von Wissenschaft und Technik und den anerkannten pharmazeutischen Regeln zu arbeiten. Für den Bereich der Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln beispielsweise hat dieses Argument – Stichwort Arzneibuch – zweifelsohne seine Berechtigung. Es gibt aber eine ganze Reihe pharmazeutischer Dienstleistungen, für die erheblicher Interpretationsspielraum besteht. Ohne dass damit eine Einschränkung unserer heilberuflichen Verantwortung verbunden sein kann und darf, ist es hier gleichwohl erforderlich, dass sich der Berufsstand auf einen einheitlichen Handlungsrahmen verständigt.

Mit den ersten Leitlinien zur Qualitätssicherung, die vor kurzem von der Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer verabschiedet wurden, existiert ein solcher Rahmen. Die Leitlinien sind keineswegs – wie in ihrer Erarbeitungsphase teilweise kolportiert – ein Instrument, das die Apotheker einmal mehr in die amtlich überwachte Pflicht nimmt. Sie bieten vielmehr eine Hilfestellung für jede Kollegin und jeden Kollegen, die Qualität ihrer pharmazeutischen Leistungen permanent zu verbessern.

Wenn Sie sich selbst davon überzeugen möchten, dann sollten Sie das Seminar "Qualitätssicherung bei der Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln in der Apotheke„ anlässlich des Pharmacon Meran 2000 vom 28. Mai bis 2. Juni besuchen. Dort werden die Leitlinien vorgestellt. Mit den Schwerpunktthemen Arzneimitteltherapie von Infektionskrankheiten sowie von Erkrankungen des ZNS kommen auch wissenschaftliche und gleichwohl praxisrelevante Themen nicht zu kurz. Kurzum: In Meran erwartet Sie ein interessantes und vielfältiges Programm. Ich würde mich freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen. Top

© 2000 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa