Pharmazeutische Zeitung online

Zwickmühle

26.04.1999
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- EditorialGovi-Verlag

Zwickmühle

von Gisela Stieve,
stellvertretende Chefredakteurin

Die Standesvertreter der Apotheker sitzen in der Zwickmühle. Was sie auch sagen und tun, es kann alles gegen sie verwandt werden. Schwierig, unter diesen Umständen Politik zu machen, die jetzt notwendiger ist denn je.

Halten sie an den bewährten, aber eben althergebrachten Regelungen des Arzneimittelwesens fest, gelten sie als altbacken und konservativ. Tun sie es nicht, öffnen sie europäischen und amerikanischen Zuständen Tür und Tor: Kettenapotheken, Versandhandel für Arzneimittel, Dispensierrecht der Ärzte, Internetangebote für hierzulande verschreibungspflichtige Präparate. Inländische Reformen greifen ungehindert Raum in Form von Budgets und bald dem Globalbudget, in Form von Festbeträgen, Arzneimittelrichtlinien – wenn sie denn kommen – und in Form der Positivliste. Zwar sind die Apotheker unmittelbar von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Aber einmal mehr mittelbar. Und die Patienten wissen nicht, was sie von all dem halten sollen, weil sie die Terminologie nicht verstehen.

Die Standesvertreter sind gewählt, um das bestehende System der Arzneimitteldistribution zu erhalten – und zwar aus guten Gründen. Dies bringt ihnen gerne den Ruf ein, die Oberbedenkenträger der Nation zu sein, die Reformen nur blockieren und verhindern wollen. Dem ist nicht so!

Apotheker, eine Spezies der eher leisen Töne ohne "marktschreierischen" Auftritt, haben durchaus etwas zu sagen und Neues zu bieten. Es wird mehr getan als es lautstark verkündet würde. Anerkennung und Unterstützung gab Dr. Manfred Zipperer, Ministerialdirektor a. D. beim 5. Bayreuther Gesundheitsforum, der die Beteiligten im Gesundheitswesen aufrief herauszustreichen, wie gut das deutsche Gesundheitssystem funktioniert und wie stabil es seit vielen Jahren ist. Hierzulande gebe es keine Rationierung, keine Wartelisten, dafür aber nennenswerte Erfolge bei der Ausgaben- und Kostensteuerung.

Während sich das Bundesgesundheitsministerium um die Strukturreform 2000 kümmert, geht die Arbeit an der Basis – in den öffentlichen und Krankenhausapotheken - weiter. Die Apothekerinnen und Apotheker sind Fach- und Vertrauensleute in Arzneimittelfragen für Patienten und immer häufiger auch für Ärzte. Sie sind Sympathieträger für eine gute Arzneimittelversorgung und die damit verbundene Pharmazeutische Betreuung. Sie praktizieren diese Verantwortung tagtäglich mit dem individuellen Nachdruck des einzelnen Apothekers. Insofern ist keine Panik angesagt.

Sie, liebe Leser, haben jeden Tag die Kundenkontakte und können vermitteln, was die Apotheke leistet, welche Dienste sie zum Nutzen der Patienten erbringt. Und sie können ein Bewußtsein dafür schaffen, was eine Systemveränderung für den einzelnen bedeuten würde. Die Ministerin will die gesetzlichen Rahmenbedingungen geben und den Rest, die Ausgestaltung, der Selbstverwaltung und dem Markt überlassen. Mit Blick auf die Strukturreform 2000 möchte ich mit Christian Morgenstern sagen: "Mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam, wenn man ihn mit dem Leben konfrontiert".

Ich glaube nicht, daß man das Gesetz zum 1. Januar 2000 noch ausbremsen kann. Ich bin aber davon überzeugt, daß die Bundesgesundheitsministerin das hohe Niveau der Arzneimittelsicherheit nicht drangeben wird. Und dazu braucht sie Apotheker. Sonst käme sie in die Zwickmühle. Top

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