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Arzt und Apotheker: neue Wege zu mehr Kommunikation

07.04.1997
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-Editorial

  Govi-Verlag

Arzt und Apotheker: neue Wege zu mehr Kommunikation

  Hermann S. Keller
Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands e. V.

Die Versorgungsqualität der Patienten nimmt aufgrund des technischen Fortschritts in der Medizin und der Arzneimittelforschung und -herstellung ständig zu. Gentechnisch hergestellte Arzneimittel sind keine Seltenheit mehr, sie werden in Zukunft zunehmen. Abnehmen wird dagegen das Finanzbudget der Kassen. Gegenwärtig sieht es so aus, als würde die Versorgungsqualität wegen der finanziellen Engpässe der Kassen Schaden leiden. Das Feststellen einer solchen Tendenz ist richtig, sie tatenlos zu beklagen ist falsch.

Wie kann bei einer solchen Schere die Versorgungsqualität dennoch aufrechterhalten bleiben? Es gibt kein Allheilmittel und kein sicheres Rezept; aber es gibt Möglichkeiten der Schadensminderung durch Verbesserung der Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker. Es bietet sich an, eine aktive Kooperation zwischen den beiden Heilberufen anzustreben. Versuche in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zeigen, daß ein Zusammenwirken von Arzt und Apotheker beim Management des Arzneimittelbudgets für alle Beteiligten Nutzen bringt. Die Voraussetzung für ein Gelingen ist eine Verordnungsanalyse des Arztes, die das Rechenzentrum erstellen könnte und die präzise Einblicke und Übersichten über Indikationen und Kosten ermöglicht.

Ein anderer Weg ist die Ermittlung von Richtgrößen für jede einzelne Arztpraxis. Dabei geht es um budgetablösende oder budgetbegleitende Richtgrößen. Die Ermittlung nur den Krankenkassen zu überlassen und den Apotheker auszuschließen, ist halbe Arbeit. Der Apotheker kann mit seinen Kenntnissen des Arzneimittelangebotes wertvolle Tips für Arzneimittelauswahl und Kostenrelevanz geben.

Schließlich sollte im Blick auf den Patienten die pharmazeutische Betreuung durch den Apotheker mit dem Arzt angestrebt werden. Die Technik kann auch hier gute Dienste tun; die Patientenchipkarte sollte bifunktional gestaltet werden für beide Heilberufe: für den Arzt und den Apotheker. Eine Weiterentwicklung zur multifunktionalen Patientenchipkarte ist im Versuchsstadium. Das elektronische Rezept ist keine Vision von morgen, sondern ein greifbares Produkt in absehbarer Zeit. Prävention, Gesundheitsaufklärung, Screeningleistungen der Apotheke in Kooperation mit dem Arzt, gemeinsame Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen bieten sich an. Mit dem letzten Schritt, der 3. Stufe der Gesundheitsreform und dem zu erwartenden Abschluß der Neuordnungsgesetze 1 und 2, werden vernetzte Praxen und Strukturverträge erprobt. Wir dürfen nicht abseits stehen, sondern müssen handeln.

Das Wirtschaftsforum in Baden-Baden zeigt Wege dazu auf. Ich lade Sie herzlich ein, mit EU-Kommissar Dr. Martin Bangemann über die europäische Zukunft der Arzneimittelversorgung und Preisgestaltung zu diskutieren. Zu einem politischen Infotainment stehen uns drei KV-Vorsitzende Rede und Antwort.

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