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Pharmaziestudium - was dann?

11.07.2005  00:00 Uhr
Podiumsdiskussion

Pharmaziestudium - was dann?

von Thomas Fiß und Jana Kumpfmüller, Greifswald

Seit einigen Jahren veranstaltet der Govi-Verlag zusammen mit den Fachschaften an den Universitäten Podiumsdiskussionen über Berufsperspektiven für Pharmazeuten. Unlängst hatten Greifswalder Studenten die Möglichkeit, mit Apothekern aus verschiedenen Berufsfeldern zu diskutieren.

Pünktlich zum Apothekertag 2004 hat die ABDA die von der Bundesapothekerkammer erarbeiteten Grundsätze zum Berufsbild des Apothekers präsentiert und einige Vorstellungen zu Tätigkeitsbereichen geäußert. So kann der Pharmazeut unter anderem seinen Beruf in der Öffentlichen Apotheke, in Krankenhaus und Industrie oder in Prüfinstitutionen, der Bundeswehr oder im öffentlichen Dienst ausüben. Angesichts dieser vielfältigen Tätigkeitsbereiche fällt dem Studenten die Wahl schwer. »Pharmaziestudium ­ was dann?« Krankenhausapotheke? Forschung in Industrie oder Universität? Angestellter bei einer Krankenkasse? Oder doch wie die meisten anderen in die Offizin gehen?

Antworten auf diese Fragen lieferte die gemeinsame Veranstaltung der Fachschaft Pharmazie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald, und des Govi-Verlags Anfang Juni. Aus der Offizien, war Andreas Portugal gekommen. Fragen zur Krankenhausapotheke beantwortete Susanne Paschka. Für die Industrie stand Inge Rademacher zur Verfügung und die Forschung in der Universität repräsentierte Professor Dr. Andreas Link. Die Moderation übernahm PZ-Chefredakteur Professor Dr. Hartmut Morck. Von großem Interesse war natürlich, wie die Gäste zu der Entscheidung kamen, ihren Tätigkeitsbereich zu wählen.

Von der Offizin ins Krankenhaus

Schon während des Praktischen Jahres lernte Susanne Paschka die Krankenhausapotheke von innen kennen, war aber zunächst während der ersten Berufsjahre in der Offizin tätig. Als sie sich dort nicht mehr ausreichend gefordert fühlte, wechselte sie in die Zentralapotheke des Universitätsklinikums Rostock, um im Klinikum 1200 Betten mit zu versorgen.

Auch für Inge Rademacher war der Weg zu Berlin-Chemie nicht ganz schnörkellos. Während des Studiums absolvierte sie eine Reihe von Praktika, konnte sich aber zunächst nicht entscheiden und schrieb daher ihr Diplom an der Universität Greifswald. Ein klares Arbeitsgebiet vor Augen hat sie sich dann gezielt bei der Pharmafirma beworben und wurde sofort in der galenischen Entwicklung eingestellt.

Bereits in vierter Generation betreibt die Familie von Andreas Portugal in Jarmen eine Apotheke. Er hatte deshalb schon während des Studiums eine klare Vorstellung von seinem weiteren Berufsweg. Auch er hat die Möglichkeit genutzt, in Greifswald sein Diplom zu schreiben. Für ihn ist der Apothekerberuf gleichzeitig auch Berufung: er engagiert sich ehrenamtlich für den Verein »Apotheker ohne Grenzen«.

Professor Dr. Andreas Link hat seit einigen Monaten in Greifswald den Lehrstuhl für pharmazeutisch-medizinische Chemie inne. Bis dahin war auch sein Werdegang nicht vollends durchgeplant. In der ersten Phase der Orientierung begann Link, eine Promotionsarbeit anzufertigen. Er fand daran so viel Spaß, dass er den Weg der Forschung weiter beschreiten wollte. Link forderte die Anwesenden auf, ebenfalls den Weg der Promotion zu gehen, da diese auch als verlängerte Orientierungsphase dienen könne.

Pro und contra Promotion

Natürlich stellte sich die Frage, in welchen Berufsfeldern eine Promotion sinnvoll ist. Als angestellter Apotheker im Krankenhaus sieht Paschka eher bessere Einstiegsmöglichkeiten durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen, wie dem Fachapotheker für klinische Pharmazie. Sollte man jedoch eine Leitungsfunktion anstreben, wird häufig eine Promotion gefordert. Die Rostocker Krankenhausapotheke biete für Interessenten die Möglichkeit, in der Pharmakologie mit einer halben Stelle zu promovieren. Bisher sei diese Möglichkeit aber nicht genutzt worden. In diesem Zusammenhang verwies Link darauf, dass die gut Qualifizierten in schlechten Zeiten immer die besseren Karten hätten; gerade bei den aktuell etwas bedrückenden Aussichten eine durchaus positive Perspektive. Durch das Thema seiner Diplomarbeit sieht Portugal die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen etwas gelassener, er hat eine Arbeit über die Geschichte der ABDA bei Professor Dr. Friedrich angefertigt.

Viele Studenten scheuen eine Bewerbung bei einer Pharmafirma, weil sie fürchten, dort nicht angenommen zu werden. Solche Befürchtungen konnte Morck entkräften. Das Beispiel von Hexal zeige, dass Apotheker wieder begehrt seien. In der Vergangenheit wären wegen der unklaren politischen Situation zu zaghaft Pharmazeuten eingestellt worden. Nun seien viele Stellen unbesetzt, auch weil einige Apotheker aus Altersgründen ausschieden. Rademacher wies auf die mühevolle Tätigkeit des Apothekers in der Industrie hin. Die GMP-Anforderungen nähmen viel Arbeit in Anspruch.

Ein etwas exotischer Tätigkeitsbereich ist das Schreiben für eine Fachzeitschrift. Auch wenn es für den Beruf Journalist keine eindeutig definierte Ausbildung gibt, hält Morck heute ein Volontariat für unumgänglich. Mit einer entsprechend guten Ausbildung hätten Pharmazeuten in fast jedem journalistischen Bereich gute Einstiegschancen.

Viele der etwa 180 Studenten stellten ihre individuellen Fragen und ergriffen zum Teil auch gleich die Chance, sich einen Praktikumsplatz zu sichern. Eines ist nach dieser Veranstaltung wieder klar geworden: Der Beruf Apotheker ist lebendig und vielschichtig und die Quintessenz des Abends könnte lauten: »Pharmaziestudium, was dann? ­ Einfach anfangen und die Chancen des Berufes nutzen!« Top

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