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DiRECT-Studie: Radikale Diät heilt Typ-2-Diabetes

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DiRECT-Studie: Radikale Diät heilt Typ-2-Diabetes
 


Mithilfe einer strikten Diät angeleitet durch die Hausarztpraxis lässt sich ein Typ-2-Diabetes weghungern. Das legen die Daten der Diabetes Remission Clinical Trial (DiRECT) nahe, die diese Woche im Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht wurde. Die Teilnehmer im Interventionsarm verloren im Schnitt 10 kg Körpergewicht gegenüber 1 kg in der Vergleichsgruppe. Knapp die Hälfte erreichte eine Diabetes-Remission im Vergleich zu 4 Prozent ohne Diät-Programm. Die Ergebnisse könnten die Behandlung des Typ-2-Diabetes revolutionieren, mutmaßt einer der Studienleiter, Professor Dr. Roy Taylor von der Universität Newcastle. Wichtig sei jedoch ein langfristiges Gewichtsmanagement und Bewegung, betont Koautor Professor Dr. Michael Lean von der Universität Glasgow.

An der Studie nahmen 298 britische, stark übergewichtige, nicht Insulin-pflichtige Typ-2-Diabetiker im Alter von 20 bis 65 Jahren teil, deren Diagnose höchstens sechs Jahre zurücklag. Mediziner gehen derzeit davon aus, dass ein langfristiger Typ-2-Diabetes die Betazellen der Bauchspeicheldrüse dauerhaft zerstört und die Diabetes-Erkrankung irreversibel wird. In frühen Stadien scheint die metabolische Erkrankung sich jedoch rückgängig machen zu lassen, wie man auch von Patienten nach Magenentfernung oder -verkleinerung weiß.

Die Studienteilnehmer wurden entweder herkömmlich leitliniengerecht von ihrer Hausarztpraxis betreut oder führten die Diät «Counterweight Plus» durch. Dabei erhielten die Probanden zunächst über drei bis sechs Monate ausschließlich standardisierte Nährlösungen mit einem Kaloriengehalt von 825 bis 853 kcal pro Tag. Zudem wurden alle Antidiabetika und Antihypertonika abgesetzt. Auf Sport sollten die Probanden zunächst verzichten. Anschließend wurde unter Anleitung einer Diätassistentin oder geschulten Arzthelferin schrittweise über zwei bis acht Wochen eine kalorienarme Kost eingeführt. Zudem wurden die Teilnehmer zu Bewegung animiert und erhielten eine kognitive Verhaltenstherapie.

Ziel war es, mindestens 15 kg Körpergewicht zu verlieren. Das schafften 36 Probanden der Interventionsgruppe und niemand unter herkömmlicher Behandlung. Weiteres Ziel war eine Remission des Diabetes, definiert als ein HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent nach mindestens zwei Monaten ohne Antidiabetika. Das erreichten 68 Patienten mit Hilfe der unterstützten Diät gegenüber sechs Patienten in der Kontrollgruppe. Je mehr Kilos die Probanden verloren, umso höher war die Chance auf eine Diabetes-Remission. Insgesamt gingen 7 Prozent der Patienten, die 0 bis 5 kg abgenommen hatten, in Remission, 34 Prozent derjenigen mit einem Gewichtsverlust von 5 bis 10 kg, 57 Prozent derjenigen mit 10 bis 15 kg weniger Körpergewicht und 86 Prozent, die mehr als 15 kg abnahmen. Zudem war nur noch die Hälfte der vormaligen Hypertoniker auf blutdrucksenkende Arzneimittel angewiesen.

Während sich die Lebensqualität in der Interventionsgruppe deutlich verbesserte, nahm sie in der Kontrollgruppe leicht ab. Als Nebenwirkung der strengen Diät traten neun schwere Nebenwirkungen bei insgesamt sieben Patienten auf, darunter eine Gallenkolik, die vermutlich auf die Diät zurückzuführen ist. Einige Probanden litten unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Verstopfung. Die Abbrecher-Quote lag bei 21 Prozent, wobei die Gründe den Angaben zufolge meist nicht an der strengen Diät, sondern sozialen Umständen wie Umzug, Trauerfall oder Jobverlust lagen. Sie wurden als Therapieversager in die Studie mit eingerechnet.

 

Die große Herausforderung sei nun, das Gewicht zu halten. Gewichts- und HbA1c-Entwicklung sollen nach vier Jahren nochmals ausgewertet werden. (dh)

DOI: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1

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08.12.2017 l PZ

Foto: Fotolia/stockphoto-graf

 

 

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