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VdPP diskutiert über Apotheke der Zukunft

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VdPP diskutiert über Apotheke der Zukunft
 


Wie sieht die Apotheke der Zukunft aus und welche neuen Honorierungsmöglichkeiten wären vorstellbar? Über diese Fragen diskutierten die Experten beim Herbstseminar des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) gestern in Berlin.

 

Der Hoffnung, dass neue Dienstleistungsangebote in der Offizin die Verluste durch den Versandhandel ausgleichen könnten, nahm Eckhart Bauer von der ABDA den Wind aus den Segeln. Der Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales betonte gestern, dafür gebe es hierzulande zu viele Hürden, etwa den Rahmenvertrag der Arzneimittelversorgung im SGB V. Demnach können Apotheken an vertraglich vereinbarten Versorgungsformen zwar beteiligt werden, müssen diese aber ausschreiben.

 

«Der Weg der Ausschreibung ist mit einem solch hohen bürokratischen Aufwand verbunden, dass ihn kaum eine einzelne Apotheke gehen wird», mutmaßte Bauer. Zudem sind laut Gesetz Vereinbarungen zwischen dem Deutschen Apothekerverband und dem GKV-Spitzenverband lediglich rund um die Arzneimittelversorgung vorgesehen. Darüber hinausgehende Dienstleistungen sind Bauer zufolge zwar möglich, werden aber von der zuständigen Aufsicht meist als unwirtschaftlich eingestuft. «Die Argumentation ist, dass diese entweder mit dem Apothekenentgelt der Arzneimittelpreisverordnung abgegolten sind oder die Leistung bereits von Ärzten erbracht wird.»

 

Weil die Apotheker zudem nicht Teil des sogenannten Leitfadens Prävention seien, dürften sie ohnehin nicht mit den Kassen über die Vergütung von Vorsorgeleistungen verhandeln. Außerdem wies Bauer gestern auf das Problem der Umsatzsteuer hin: «Während heilberufliche Dienstleistungen bei Ärzten mit 0 Prozent besteuert werden, sind es bei Apothekern 19 Prozent. Das ist ein Wettbewerbsnachteil.»

 

Die derzeitigen Probleme könne nur der Gesetzgeber lösen, indem er genau definiere, was einen Leistungserbringer und eine Leistung ausmache, betonte Bauer. Die Motivation sei allerdings verhalten, weil Dienstleistungen, die nicht direkt mit der Arzneimittelversorgung zusammenhängen, derzeit wenig wirtschaftliches Potenzial hätten. Daher sieht der ABDA-Experte die zentrale Leistung der Apotheker – auch auf lange Sicht – darin: «Dem richtigen Patienten schnellstmöglich das richtige Arzneimittel mit den wichtigsten Basisinformationen zu geben.»

 

Weniger die Packungsabgabe als vielmehr die qualifizierte Beratungsleistung sieht Kai Helge Vogel, Leiter Gesundheit und Pflege beim Verbraucherzentrale Bundesverband, als die wichtigste Zukunftsaufgabe der Apotheker. Denn Studien belegten, dass ein Großteil der Deutschen Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen habe.

 

Vor allem in puncto evidenzbasierter Selbstmedikation sieht Vogel großen Bedarf für apothekerliche Beratung, die im Übrigen künftig honoriert werden sollte. Die Entscheidung des Gesetzgebers, OTC-Arzneimittel von der Versorgung auszuschließen, ist nach Ansicht der Verbraucherschützer unbedingt zu überdenken – sowohl mit Blick auf die Versorgungssicherheit als auch auf die Kostenbelastung für die Patienten.

 

Laut Udo Puteanus vom VdPP lohnt zudem ein Blick ins Ausland. «Dort wird pharmazeutisches Potenzial bereits stärker genutzt und auch entsprechend honoriert.» In Australien etwa gingen Apotheker im Rahmen einer bezahlten Dienstleistung zu Patienten nach Hause oder ins Pflegeheim, um deren Medikation zu besprechen. Das geschehe meist auf Anordnung des Arztes.

 

In Finnland sind Puteanus zufolge Apotheker sogar in sogenannten Gesundheitskiosken gefragt, um ein niedrigschwelliges und vergütetes Beratungsangebot zu geben. Damit Inspirationen aus anderen Ländern übernommen würden, sei allerdings eine gründliche wissenschaftliche Aufbereitung solcher neuen Prozesse notwendig, so Puteanus. Entsprechend abgeleitete Daten hätten eher eine Chance, den Gestaltungswillen der Politik zu motivieren.

 

Hintergrund der Diskussion des VdPP ist das in Kürze erwartete Gutachten zum Apothekenhonorar. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte dies im März 2016 in Auftrag gegebenen, um zu klären, ob die Vergütung noch zeitgemäß ist und an welchen Stellen es möglicherweise Anpassungen in der Arzneimittelpreisverordnung geben sollte. (je)

 

10.11.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Franz Pfluegl

 

 

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