«Epilepsie ist gut behandelbar – wie lange noch?» |

Epilepsie-Patienten sorgen sich, dass sich der Zugang zu neuen Epilepsie-Medikamenten erschweren könnte. Darauf macht der diesjährige Tag der Epilepsie am 5. Oktober unter dem Motto «Epilepsie ist gut behandelbar – wie lange noch?» aufmerksam. Die Deutsche Epilepsie-Vereinigung kritisiert, dass seit Einführung der frühen Nutzenbewertung bislang keinem neuen Antiepileptikum ein Zusatznutzen anerkannt wurde. Daraufhin nahm beispielsweise Glaxo-Smith-Kline sein neues Medikament Trobalt mit dem Wirkstoff Retigabin nur ein Jahr nach der Markteinführung 2011 wieder vom Markt. Auch Perampanel (Fycompa) von Eisai war nur kurze Zeit in Deutschland verfügbar.
«Es kann nicht sein, dass eine an sich sinnvolle Regelung dazu führt, das pauschal alle neuen Antiepileptika keinen Zusatznutzen mehr haben sollen – und zwar auch dann nicht, wenn nachweislich viele Patienten profitieren», heißt es in einer Broschüre zum Aktionstag. In Deutschland sind rund 500.000 Menschen von Epilepsie in unterschiedlichen Formen betroffen. Der Deutschen Epilepsie-Vereinigung zufolge kann rund die Hälfte der Patienten dank Medikamenten dauerhaft anfallsfrei leben.
Zudem fordert der Verein mehr unabhängige Medikamentenforschung und mehr umfassendere Behandlungsangebote, vor allem im ambulanten Bereich. Krankheitsbewältigung mit Hilfe eines spezialisierten interdisziplinären Teams dürfe nicht nur schwer behandelbaren Epileptikern in Spezialkliniken vorbehalten sein, sondern müsse allen Patienten im Alltag- und Berufsleben zur Verfügung stehen. Der Weg zum Epileptologen und zu Spezialzentren sei noch nicht an der Tagesordnung, so Norbert van Kampen, Medizinsoziologe am Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. «Es gibt Betroffene, die leben seit 20 Jahren mit Epilepsie und haben keine Vorstellung davon, was sie da eigentlich haben.»
«Wenn man in guter Behandlung ist, kann man mit dieser Krankheit ziemlich normal leben», erklärt Sybille Burmeister, Vorstandsmitglied und Sprecherin der Deutschen Epilepsievereinigung, gegenüber der dpa. Doch kein Patient und keine Epilepsie sei wie die andere. Das mache die medikamentöse Behandlung so schwer. Es sei immer ein Ausprobieren.
Der Verband will zudem mehr über die verschiedenen Facetten der neurologischen Erkrankung aufklären und Vorurteile abbauen. «Mir ist wichtig, dass dieses Stigma, das noch mit der Krankheit verbunden ist, einmal überwunden sein wird», so Burmeister. «Manche denken, dass man zwangsläufig geistig ein bisschen minderbemittelt ist.» Andere zeigten Erstaunen, dass man ihr nichts ansehe. Befragungen zeigen, dass sich die Wahrnehmung der Krankheit in den vergangenen Jahren schon etwas verändert hat – doch offensichtlich noch nicht genug. Viele wissen beispielsweise nicht, dass Patienten dank guter Behandlung über lange Phasen anfallsfrei bleiben können und wenig im Alltag eingeschränkt sind. (dh)
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Wirkstoffprofile Retigabin|Trobalt®|15|2011 und Perampanel|Fycompa®|15|2012 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
04.10.2017 l PZ
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