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Endometriose: Weit verbreitet, aber nur wenigen ein Begriff

 

Zum Tag der Endometriose am 29. September wirbt die Endometriose-Vereinigung Deutschland um mehr Aufmerksamkeit für die Unterleibserkrankung, an der Schätzungen zufolge 7 bis 15 Prozent aller geschlechtsreifen Frauen in Deutschland leiden. Fehlendes Wissen über die oft mit starken Unterleibsschmerzen verbundene Erkrankung führe dazu, dass zwischen dem Auftreten der Symptome bis zur Diagnose bis zu acht Jahre vergehen könnten, kritisiert Sabine Steiner, Vorstandsvorsitzende der Organisation. Die meisten Frauen hätten vor der Diagnose noch nie von der Erkrankung gehört und würden zudem von ihrem Umfeld sowie von vielen Ärzten nicht ernst genommen.

 

Das soll sich ändern, denn: «Endometriose ist eine unsichtbare Krankheit, aber nicht eingebildet», so Steiner. Sie wünscht sich vor allem mehr Bewusstsein dafür, dass ständige Unterleibsschmerzen nicht zwangsläufig zum «Frau-Sein» gehören. «Wenn Mädchen und Frauen nicht mehr mit diesem Irrglauben aufwachsen, dann können sie ihre Schmerzen viel leichter und schneller benennen.» Damit die Erkrankung künftig nicht mehr nur per Zufall entdeckt werde, brauche es einen grundlegenden Wandel in Schule und Ausbildung, fordert Steiner.

 

Zum Beispiel müssten Lehrpläne in der Schule das Thema aufgreifen, auch die Medizinerausbildung müsse entsprechend angepasst werden, denn Allgemeinärzte und selbst Gynäkologen könnten die Symptome häufig nicht richtig deuten. «Wenn diese Forderungen erfüllt werden, wäre schon sehr viel für die Betroffenen erreicht», betont Steiner. Mit einer bundesweiten Aufklärungskampagne sollen Frauen und Mädchen für das Thema sensibilisiert werden.

 

Endometriose ist eine gutartige Erkrankung, bei der sich sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter im Unterleib ansiedelt. In der Folge treten Wucherungen an Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase oder Bauchfell auf, können aber im Prinzip auch an jeder anderen Stelle des Körpers wachsen. Eine Endometriose muss nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Bei manchen Frauen ist sie jedoch eine chronische Erkrankung, die krampfartige Schmerzen im Unterleib hervorruft. Häufig sind Schmerzen bei der Periodenblutung oder beim Geschlechtsverkehr sowie Rückenschmerzen. Typisch für Endometriose ist, dass die Beschwerden im Verlauf des Zyklus zunehmen und dann wieder abnehmen.

 

Die Herde werden meist von den Hormonen beeinflusst. Wie in der Gebärmutter wird mit jedem Zyklus Schleimhaut auf- und wieder abgebaut. Es kommt auch zu Blutungen in das umliegende Gewebe. Die Folge sind Reizungen und Entzündungen, die langfristig zu Verwachsungen führen können, auch Zysten können sich bilden. Wenn Eierstöcke oder Eileiter betroffen sind, kann das zu Unfruchtbarkeit führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln. Sie reichen von Schmerzmittel- und Hormontherapien bis zu Operationen. Welche Behandlung in Frage kommt, hängt vom individuellen Fall ab. Heilbar ist die Krankheit nicht. (cd)

 

28.09.2017 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Ivonne Wierink