Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker |

Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen. Vor allem Alten- und Pflegeheimbewohner sind betroffen. Wie die Apotheker helfen können, war jetzt Thema eines Vortrags von Professor Dr. Ulrich Jaehde beim Pharmacon in Meran, wie die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände heute mitteilte.
Demnach ist die Rolle der Apotheker durchaus tragend – allerdings nur in Kooperation mit Ärzten und Pflegekräften. So könnte eine Medikationsanalyse effektiv dazu beitragen, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu vermeiden. Doch sei diese sehr zeitaufwendig: «Aus einer Pilotstudie wissen wir, dass eine geriatrische Medikationsanalyse zwischen 1,5 und 3 Stunden dauert – pro Patient», sagte Apotheker Jaehde.
Mit einer Merkkarte, auf der die häufigsten arzneimittelbezogenen Probleme in Pflegeheimen sowie Strategien zu deren Vermeidung zusammengefasst sind, wollen Jaehde und seine Kollegen Petra Thürmann von der Universität Witten-Herdecke das Problem in den Griff bekommen. Die Merkkarte weise auf mögliche arzneimittelbezogene Symptome sowie auf Arzneimittel mit hohem Nebenwirkungsrisiko hin. Außerdem würden Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte darüber aufgeklärt, bei welchen Arzneimitteln sie die Patienten besonders beobachten müssten.
Wie dringlich eine umfassende Medikationsanalyse ist, machte Jaehde an konkreten Zahlen fest: In einer Stichprobe von 85.000 Pflegebedürftigen fand der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) demnach heraus, dass bei 10 Prozent der Patienten die Medikation nicht der ärztlichen Anordnung entsprach. Bei 14 Prozent war der Umgang mit Arzneimitteln nicht sachgerecht, etwa weil die gestellten Arzneimittel nicht mit den Angaben in der Dokumentation übereinstimmten, so Jaehde. Gerade hier sei aber angezeigt, die Dosierung an die Nierenfunktion anzupassen, um das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu senken. In Deutschland sind zurzeit etwa 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig, von denen 764.000 in einem Pflegeheim untergebracht sind. (cd)
Zur AMTS-Merkkarte (PDF, externer Link)
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27.05.2016 l PZ
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