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Cannabis auf Rezept: Gesetzentwurf sorgt für Diskussionen

Schmerzpatienten sollen in Zukunft Cannabis von ihrem Arzt bekommen können. Ein entsprechender Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) löst neben Zustimmung auch Widerstände aus – vor allem beim Thema Kostenübernahme und der sogenannten begleitenden Forschung mit Betroffenen.

 

Prinzipiell freuen sich die Bundesärztekammer (BÄK), die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und der GKV-Spitzenverband über den Vorstoß: Mit dem Entwurf für das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften komme Bewegung in die Debatte über den Einsatz von Cannabis in der Medizin, heißt es. Mit Blick auf das Vorhaben der Regierung allerdings, eine Kostenübernahme von getrockneten Cannabis-Blüten und Extrakten zu ermöglichen, hagelt es Kritik. Im Gegensatz zu den standardisierten Cannabis-Arzneien gebe es für den medizinischen Einsatz der Pflanze keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz, heißt es in einer Stellungnahme der Ärzte. Somit lehnen BÄK und AkdÄ die Kostenübernahme der Krankenkassen aufgrund der möglichen gesundheitlichen Gefahr für die Patienten ab.

 

Der GKV-Spitzenverband argumentiert hingegen mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Dem Gesetzesentwurf zufolge entstehen bei der Cannabis-Therapie eines Patienten geschätzte Kosten von 1800 Euro im Monat. Das sei im Vergleich zu den bisher zugelassenen Arzneimitteln für dieselben Anwendungsgebiete deutlich mehr Geld, so der Verband. Zudem entstehe bei der Abgabe in der Apotheke ein weiteres Preisproblem: Da es sich bei der Cannabisblüte um einen sogenannten Stoff in unveränderter Form handelt, würde der Apotheker laut Arzneimittelpreisverordnung einen Aufschlag von 100 Prozent auf den Einkaufspreis berechnen, heißt es in der Stellungnahme der Kassen. Eine entsprechende Vergütung erscheint dem GKV-Spitzenverband gemessen am Arbeitsaufwand aber zu hoch.

 

Diskussionen entfacht außerdem die Absicht des Bundesministeriums für Gesundheit, Patienten zur Teilnahme an einem Forschungsprojekt zu verpflichten. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll dem Gesetzentwurf zufolge aus den Ergebnissen ableiten, unter welchen Voraussetzungen die Kosten einer Cannabis-Therapie von den Krankenkassen erstattet würden. Vorerst soll die Zahlung demnach explizit an die Teilnahme des Patienten an der Studie geknüpft sein. Die Ärzteschaft hält das für inakzeptabel. Schließlich lasse der gesundheitliche Zwang dem Patienten letztlich keine Wahl, argumentieren sie.

 

Auch dem GKV-Spitzenverband sind die Umstände der Begleitforschung suspekt, wie er in seiner Stellungnahme betont. Es fehle an Informationen, wer das Projekt organisiert, durchführt und finanziert. Zumal die Ergebnisse bloßer Fallserien weniger aussagekräftig seien als die Prüfung durch offizielle Zulassungsbehörden – wie sie die Erstattung eines Arzneimittels durch die Krankenkassen in der Regel voraussetzt. (je)

 

11.02.2016 l PZ

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