| Lukas Brockfeld |
| 16.12.2025 16:52 Uhr |
ABDA-Präsident Thomas Preis (links) und ABDA-Pressesprecher Benjamin Rohrer traten am Dienstag gemeinsam vor die Presse. / © ABDA/Screenshot
Am Mittwoch soll das Bundeskabinett über das umstrittene Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) entscheiden. Das Gesetz wird seit Monaten von Vertreterinnen und Vertretern der Apothekerschaft scharf kritisiert, insbesondere aufgrund des Ausbleibens der eigentlich im Koalitionsvertrag versprochenen Erhöhung des Fixums.
Die ABDA plant daher für den Tag des Kabinettsbeschlusses eine große Protestaktion. Ein symbolischer Blackout soll der Bevölkerung zeigen, was ein Verschwinden der Apotheken vor Ort für sie bedeuten würde. Dazu sollen die von der ABDA bereitgestellten »Blackout«-Motiv gut sichtbar am Eingang der Apotheke aufgehängt und die Offizin oder das Schaufenster mit rot-weißem Flatterband in Kampagnen-Optik geschmückt werden. Außerdem soll das Licht in der Apotheke für einen gewissen Zeitraum ausgeschaltet bleiben. In den Sozialen Medien können unter dem Hashtag #versorgungsblackout ebenfalls Inhalte gepostet werden.
Am Dienstag verdeutlichte ABDA-Präsident Thomas Preis bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz noch einmal die Notwendigkeit einer Honoraranpassung: »Im Koalitionsvertrag wurde eine einmalige Erhöhung des Apothekenfixums auf 9,50 Euro versprochen. Und das hatte einen guten Grund. Denn die Koalition will in der zukünftigen Gesundheitsversorgung besonders stark auf die öffentlichen Apotheken setzen.«
Preis erklärte, dass aktuell nicht einmal 2 Prozent der gesamten GKV-Ausgaben auf Leistungen der Apotheken entfallen. Für die Arztpraxen würden dagegen 15 Prozent ausgegeben, für die Krankenhäuser sogar über 30 Prozent. Trotzdem sei die Vergütung der Apotheken, anders als die von Ärzten und Krankenhäusern, seit 13 Jahren nicht mehr erhöht worden. »Deswegen ist die Anhebung des Fixhonorars dringend notwendig und mehr als überfällig«, mahnte der ABDA-Präsident.
Die Zahl der deutschen Apotheken sei in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1977 gefallen. In den vergangenen Jahren seien die Personalkosten in Apotheken um 80 Prozent gestiegen, die übrigen Kosten um etwa 50 Prozent. Trotzdem sei das Apothekenhonorar nicht angepasst worden, während gleichzeitig die übrigen GKV-Ausgaben seit 2013 um mehr als 70 Prozent gestiegen sind. »Man braucht kein Betriebswirtschaftler zu sein um festzustellen, dass diese Rechnung für die allermeisten Apotheken nicht aufgehen kann«, sagte Preis. Mit der Protestaktion wolle man daher an die Regierung appellieren, um endlich eine Honorarerhöhung zu bekommen.
ABDA-Kommunikationschef Benjamin Rohrer erläuterte die Hintergründe der Kampagne: »Mit der Aktion ›Blackout‹ wollen die Apotheken symbolisch erfahrbar machen, was es bedeuten würde, wenn die flächendeckende Arzneimittelversorgung wegbricht«, so der Pressesprecher. Die ABDA habe dazu Materialien und Empfehlungen herausgegeben. Gleichzeitig wolle man den Apotheken aber auch Freiraum in ihrer individuelle Gestaltung lassen.
In den Sozialen Medien wurde auch Kritik an der geplanten Protestaktion laut. Doch nach Angaben der ABDA wurden am Dienstagmorgen bereits 13.700 Downloads auf der Kampagnenseite verzeichnet. »Das spricht für eine hohe Beteiligung. Normalerweise haben wir solche Downloadzahlen innerhalb von drei bis vier Wochen. Wir gehen davon aus, dass viele Apotheken mit uns gemeinsam ein Zeichen in Richtung Politik setzen wollen«, sagte Rohrer.
Thomas Preis wurde im Anschluss auch gefragt, warum die ABDA nicht auf drastischere Protestformen wie einen Streik setzt. Der ABDA-Präsident betonte, dass man sich noch in einer relativ frühen Phase der Gesetzgebung befinde. Nach dem für Mittwoch geplanten Kabinettsbeschluss arbeite das Parlament noch bis in den Frühsommer hinein an dem Gesetz.
»Das ist die Zeit für weitere eskalierende Schritte. Wenn das Gesetz nicht die Punkte enthält, die wir haben wollen, dann werden wir weiter eskalieren, das ist klar. Heute ist noch nicht der Tag, um auf die Straße zu gehen, morgen auch noch nicht. Aber diese Tage werden kommen, wenn die Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag nicht umgesetzt werden«, versprach Preis.
Trotz der extrem angespannten finanziellen Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung hält der ABDA-Präsident eine Honorarerhöhung für machbar. Ausgerechnet zur Zeit des Deutschen Apothekertags, als Nina Warken einem Fixum von 9,50 Euro vorerst eine Absage erteilte, habe die Ärzteschaft erfolgreich eine höhere Vergütung verhandelt. »Das waren Honorarerhöhungen von 2,8 Prozent für die Ärzte, ungefähr 1,4 Milliarden Euro zusätzliche Ausgaben für die Krankenkassen. Die versprochene Honorarerhöhung für die Apotheken wäre noch nicht mal eine Milliarde.« Nach 13 Jahren Stillstand sei eine solche Anpassung alternativlos.