| Theo Dingermann |
| 24.03.2026 15:00 Uhr |
Die Ergebnisse waren mit einem Vorbehalt verbunden, da während des Studienzeitraums weniger Lyme-Borreliose-Fälle auftraten als erwartet. Der vorab festgelegte statistische Schwellenwert des primären Endpunkts, eine Untergrenze des 95-Prozent-Konfidenzintervalls über 20, wurde mit 15,8 in der ersten vorab festgelegten Analyse nicht erreicht. Allerdings wurde dieser Schwellenwert in der zweiten vorab festgelegten Analyse mit 21,7 überschritten.
Dazu erklärte Pfizer, dass man weiterhin vom Potenzial des Impfstoffs überzeugt sei. In der Pressemitteilung wird Dr. Annaliesa Anderson, Chief Vaccines Officer bei Pfizer, dahingehend zitiert, dass die in der VALOR-Studie gezeigte Wirksamkeit von über 70 Prozent äußerst ermutigend sei und das Vertrauen in das Potenzial des Impfstoffs stärke. Valneva-CEO Thomas Lingelbach bezeichnete die Ergebnisse als »einen Schritt näher an unser Ziel, einen dringend benötigten Impfstoff bereitzustellen, der vor Lyme-Borreliose schützen soll«.
Die Kontroverse um den damals zugelassenen Borreliose-Impfstoff LYMErix war entstanden, als innerhalb eines Jahres nach der Zulassung durch die FDA Berichte über Nebenwirkungen erstmals im freiwilligen und nicht unumstrittenen Meldesystem VAERS auftauchten. Man unterstellt dem System eine gewisse Anfälligkeit für Verzerrungen und Subjektivität – auch, weil keine Beweise erbracht werden müssen, dass ein unerwünschtes Ereignis mit der Impfung in Zusammenhang steht.
Lyme-Borreliose hat sich in den letzten Jahren geografisch ausgebreitet, da steigende Temperaturen die Lebensräume der Zecken und die Dauer ihrer Aktivitätsphasen erweitern. Daher ist der Bedarf an einem Impfstoff dringlicher geworden. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schätzen, dass in den Vereinigten Staaten jährlich etwa 476.000 Menschen mit Lyme-Borreliose diagnostiziert und behandelt werden, wobei allein 2023 mehr als 89.000 Fälle durch Überwachungssysteme gemeldet wurden.
Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts ist die genaue Häufigkeit der Lyme-Borreliose in Deutschland nicht bekannt. Die Meldeinzidenz schwankte in den Bundesländern mit Meldepflicht zwischen jährlich 26 und 41 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern.
Analysen von Sekundärdaten, basierend auf Codierung und Abrechnungen von Ärzten und Krankenhäusern, lassen vermuten, dass in Deutschland jährlich für 214.000 Patienten mit Lyme-Borreliose Abrechnungen erstellt werden. Unabhängig von der genauen Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr ist unstrittig, dass es sich bei der Lyme-Borreliose um eine weit verbreitete Krankheit handelt, die ernstzunehmen ist.