| Annette Rößler |
| 28.01.2026 09:00 Uhr |
Akne trifft Jugendliche in einem Alter, in dem sie meistens sehr auf ihr Äußeres bedacht sind. Das kann erheblichen Leidensdruck verursachen. / © Getty Images/Irina Boriskina
Mitesser, Komedonen oder auch Pickel: Für die typischen Hautveränderungen der Akne vulgaris gibt es mehrere Bezeichnungen. Sie entstehen, wenn der Kanal eines Talgdrüsenfollikels durch Talg und/oder Hornschuppen verstopft. Dies passiert meist in der Pubertät, wenn die Talgproduktion und die Aktivität der Keratinozyten infolge der hormonellen Umstellung erhöht ist. Ein Treiber der Entzündung ist Cutibacterium acnes (ehemals Propionibacterium acnes): Das grampositive Bakterium ist Teil der natürlichen Hautflora und kann sich in verstopften, talggefüllten Harfollikeln unter anaeroben Bedingungen stark vermehren.
Wie Akne eingeschätzt werde, habe sich verändert, heißt es in einem Artikel auf der Nachrichtenseite des Fachjournals »Nature«. Während sie früher als vorübergehendes und letztlich bedeutungsloses kosmetisches Problem an der Schwelle zum Erwachsenwerden angesehen worden sei, setze sich mittlerweile mehr und mehr die Einstellung durch, dass das Hautproblem der Jugend einer wissenschaftlichen Lösung bedarf. Schließlich entwickeln vier von fünf Heranwachsenden Akne, die bis ins Erwachsenenalter persistieren kann. Der Beginn falle zudem in eine besonders sensible Entwicklungsphase junger Menschen.
Verfügbare Therapien sind nicht ideal: Die Wirksamkeit von Topika ist begrenzt und gegen systemisches Isotretinoin bestehen zu Recht Vorbehalte wegen des teratogenen Potenzials und anderer möglicher Nebenwirkungen. Um den ungedeckten medizinischen Bedarf zu adressieren, befinden sich derzeit zwei Impfstoffkandidaten in der Entwicklung. Bei beiden ist der Weg zu einer möglichen Zulassung allerdings noch sehr weit.
Ein mRNA-Impfstoff der Firma Sanofi wird derzeit in zwei Phase-I/II-Studien bei Personen mit moderater bis schwerer beziehungsweise leichter Akne getestet (NCT06316297 und NCT07013747). Für die erste Studie, die in den USA seit 2024 läuft, wird eine Teilnehmendenzahl von 400 angestrebt, für die zweite werden 200 Probanden in Singapur gesucht.
Die in dem Impfstoffkandidaten enthaltene mRNA codiert für das proinflammatorische Protein Christie-Atkins-Munch-Petersen-(CAMP-)Faktor, das C. acnes produziert. Die Impfung generiert also eine Immunreaktion gegen CAMP, nicht gegen C. acnes selbst. So soll die von C. acnes getriggerte Entzündung unterbunden werden, ohne dass das Bakterium selbst eliminiert wird – was unter Umständen das Hautmikrobiom nachhaltig stören und dadurch mehr Schaden als Nutzen anrichten würde. Erste Ergebnisse der Studie mit Patienten mit moderater bis schwerer Akne werden für das Jahr 2027 erwartet.