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ABDA-Präsident
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Impfen verbessert Verhältnis zu den Kunden

ABDA-Präsident Thomas Preis hat sich in seiner Funktion als Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein schon früh für Impfungen in Apotheken eingesetzt, das erste Modellprojekt fand in dieser Region statt. Preis glaubt an den Durchbruch, wenn künftig noch mehr Impfungen in Apotheken möglich sind. Das könne helfen, Impflücken zu schließen, so Preis im Gespräch mit der PZ.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 11.03.2026  16:20 Uhr

PZ: Im Oktober 2020 wurde die erste Grippeschutzimpfung in einer deutschen Apotheke gegeben. Was war die Vorgeschichte?

Preis: Im Jahr 2019 wurde schon diskutiert, dass Apotheken gegen Grippe impfen sollen. Und dann hat ein Vertreter der AOK Rheinland/Hamburg in einem Interview gesagt, dass die AOK im Rheinland sofort mitmachen würde. Das hat der Apothekerverband Nordrhein direkt genutzt und Gespräche aufgenommen. Wir hatten schon ein Agreement zu dem Modellprojekt, bevor im März 2020 mit dem Masernschutzgesetz die Modellprojekte zum Grippeimpfen in Apotheken beschlossen wurden. Und so konnte das Modellprojekt schon im Herbst starten. Bei unserem nordrheinischen Vorstandskollegen Dr. Markus Reitz in Bornheim bei Bonn hat dann am 6. Oktober 2020 die erste Grippeimpfung in einer öffentlichen Apotheke in Deutschland stattgefunden.

PZ: Welche Widerstände galt es am Anfang zu überwinden?

Preis: Bei den Krankenkassen gar keine. Im Gegenteil: Einzelne Krankenkassen haben sich sehr schnell diesem Modellprojekt angeschlossen. Die notwendigen Schulungen, die wir gemeinsam mit der Apothekerkammer Nordrhein organisiert haben, wurden sehr gut angenommen. Und wir haben ja auch positive Ergebnisse erzielt, wie die wissenschaftliche Begleitstudie belegen konnte.

PZ: Diese Schulungen, kann die jeder machen und was beinhalten sie?

Preis: Das sind zertifizierte Seminare für Apothekerinnen und Apotheker, abgestimmt von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer. Das ist wichtig in Bezug auf die wiederkehrende Frage der Sicherheit. Ja, Impfungen in der Apotheke sind sicher. Apothekerinnen und Apotheker sind so geschult, wie es mit der Bundesärztekammer abgesprochen ist.

PZ: Wie sind denn die Erfahrungen, die man seit dem Modellprojekt bis heute in der Apotheke gemacht hat?

Preis: Die Erfahrungen sind sehr positiv. Die Kollegen haben nicht nur quantitativ einen Erfolg. Sie machen viele Impfungen. Sie berichten auch, dass sie ein ganz anderes Verhältnis zu den Kunden haben, weil sie eine sehr persönliche Dienstleistung anbieten können. Und das stärkt den Heilberuf Apotheker enorm. Wenn wir jetzt durch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) die Möglichkeit bekommen, alle Impfungen mit Totimpfstoffen durchzuführen, bin ich mir ganz sicher, dass Impflücken weiter geschlossen werden können.

PZ: Welchen Beitrag können die Apotheken leisten?

Preis: In dieser Influenza-Saison haben Apotheken doppelt so viele Impfungen verabreicht wie im Vorjahr. Man kann davon ausgehen, dass diese Steigerungsraten anhalten und sogar noch zulegen. Wenn mit dem ApoVWG, wie vorgesehen, weitere Impfungen dazukommen, werden noch mehr Apotheken Impfungen anbieten. Und die Apotheken, die schon impfen, werden einen höheren Zulauf haben und  noch mehr Impfungen durchführen.

PZ: Wird das der Durchbruch?

Preis: Davon gehen wir aus. Wenn der Impfraum nicht nur saisonal genutzt wird und das dafür abgestellte Personal ganzjährig eingesetzt werden kann, wird das auch wirtschaftlich lukrativer. Wobei das Impfhonorar insgesamt zu knapp ist. Deshalb ist es gut, dass der DAV an der Stelle nochmal nachverhandelt hat.

PZ: Bieten deshalb noch vergleichsweise wenige Apotheken Impfungen an? Weil es sich nicht lohnt? Oder auch ein bisschen aus Angst vor der Reaktion der ärztlichen Kollegen?

Preis: Das mag auch eine Rolle spielen. Aber mit jedem Jahr, in dem Apotheken impfen, werden diese Berührungsängste kleiner. Ich komme noch aus der Zeit, in der Apotheken erstmals Blutdruckmessungen durchgeführt haben. Der Aufschrei der Ärzteschaft war auch damals groß – die Bevölkerung hat es überlebt. Und so gehen wir davon aus, dass sich die Aufregung auch beim Impfen legt.

PZ: Aber eine Art Kontrahierungszwang soll es nicht geben – in dem Sinne, dass jede Apotheke das anbieten muss?

Preis: Das muss ja auch nicht sein. Auch nicht jede Arztpraxis impft. Aber Fakt ist: Wir haben eine erschreckende Bilanz bei den Impfquoten, die nach Corona sogar noch gesunken sind. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung gut zugängliche Impfangebote in den Apotheken ermöglicht.

PZ: Impfungen in Apotheken sind im europäischen Ausland durchaus Standard. Wie erklären Sie sich die Vorbehalte der Ärzteschaft hierzulande?

Preis: Für mich ist wichtig, was die Politik will: eine gute Durchimpfungsrate der Bevölkerung. Und die Politik stellt fest, dass das durch die etablierten und sehr guten Strukturen der Ärzteschaft noch nicht hinreichend erreicht wird. Wir haben sinkende Impfquoten. Selbst bei ganz wichtigen Impfungen müssen wir feststellen, dass vulnerable Gruppen oft nicht geimpft sind. Bei den Grippeimpfungen haben wir eine Durchimpfungsrate von 30 Prozent, empfohlen sind 75 Prozent.

PZ: Wo ist der Vorteil gegenüber den Praxen für die Apotheken, dass man es schafft, diese Lücke zu schließen?

Preis: Die Apotheken bieten eine zusätzliche Impfmöglichkeit für Bürgerinnen und Bürger. Die Terminvergabe ist oft schnell, unkompliziert und zu Zeiten, in denen Arztpraxen nicht geöffnet sind. Die Politik will den Ärzten ja nichts wegnehmen. Und wir arbeiten intensiv mit den Ärzten zusammen: Patienten, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht geeignet sind, werden von den Apotheken an eine ärztliche Praxis verwiesen. Ich glaube, das ist das Wichtigste: Die Impflücken müssen wir im Schulterschluss der beiden Heilberufe schließen.

PZ: Warum ist das Thema für Ihren Berufsstand so wichtig?

Preis: An erster Stelle ist es wichtig für die Bürgerinnen und Bürger jetzt bald, bis auf wenige Ausnahmen, alle Impfungen in einer Apotheke erhalten zu können. Und an zweiter Stelle ist es natürlich so, dass der Berufsstand sich weiter profilieren kann als ein zentraler Ansprechpartner in Gesundheitsfragen.

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