| Theo Dingermann |
| 16.02.2026 16:20 Uhr |
Die Forschenden entwickelten auch eine Methode, um sIgA-Antikörper aus der Nase von Menschen herzustellen. Dafür kombinierten sie zwei moderne Verfahren. Am Ende konnten sie 42 Antikörper künstlich herstellen. 30 davon banden sehr gut an das Spike-Protein des Virus. Diese Antikörper richteten sich gegen verschiedene Stellen dieses Proteins – sowohl gegen die Rezeptorbindungsstelle (RBD) als auch gegen die N-terminale Domäne (NTD).
Die Forschenden untersuchten außerdem, wie leistungsfähig diese Antikörper in unterschiedlichen Formen sind. Neun starke Antikörper wurden in vier Formen produziert: als IgG, als monomeres IgA, als dimeres IgA und als sekretorisches IgA. Sekretorisches IgA und dimeres IgA waren deutlich wirksamer als die anderen Formen.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass bestimmte Antikörper als IgG-Moleküle gegen einzelne Varianten praktisch ausfallen, als sIgA-Moleküle aber wieder hochwirksam werden. Besonders eindrucksvoll erwiesen sich hier die Klone, die gegen die N-terminale Domäne gerichtet waren.
Mechanistisch stellt sich die Frage, woher die hoch wirksamen IgA-Klone stammen. Entstehen sie de novo in der Nasenschleimhaut, oder werden sie aus dem systemischen Gedächtnis rekrutiert? Um diese Frage zu beantworten, verfolgten die Forschenden die Bildung der Antikörper-Isotypen longitudinal über sechs Zeitpunkte, indem sie das BCR-Repertoire aus peripheren Blutmonozyten (PBMC) sequenzierten.
Diese Analysen ergaben ein klares Muster. Danach tauchen nach einer intramuskulären Priming-Impfung einige spätere mukosale Klone in niedriger Zahl im Blut primär als IgM- und IgG-Isotypen auf. Nach intranasalem Booster kommt es dann zu einem starken Umschlag. Dieselben Klonotypen erscheinen plötzlich in hoher Frequenz als IgA-Isotypen, mit deutlich erhöhten somatischen Hypermutations-Raten, was die Forschenden als einen Hinweis auf Reaktivierung, Affinitätsreifung und Klassenwechsel deuten.
Somit erzeugt eine intranasale Boosterung nicht nur mehr IgA-Zellen, sondern Zellen mit einem Transkriptom, das explizit auf Migration in die Nasenschleimhaut eingestellt ist. Zudem unterstützen diese Daten der Forschenden die Interpretation, dass eine intranasale Boosterung eine zeitlich koordinierte Phase schafft, in der B-Zellen angezogen, umprogrammiert und zur sIgA-Produktion befähigt werden.