| Theo Dingermann |
| 16.02.2026 16:20 Uhr |
In der Regel dringen Coronaviren über die Nasenschleimhaut in den menschlichen Körper ein. Mit nasalen Impfstoffen soll hier eine bessere Immunabwehr induziert werden. / © Getty Images/Westend61/Arman Zhenikeyev
Eines der immunologischen Kernprobleme der Covid-19-Pandemie bestand darin, dass die intramuskulären Impfstoffe zwar zuverlässig vor schwerer Erkrankung schützen, aber vergleichsweise schwach darin sind, eine Infektion und Übertragung zu verhindern. Das liegt vor allem daran, dass sie in der Nasenschleimhaut, dem primären Eintrittsort für das Virus, keine robuste sekretorische IgA-Immunität (sIgA) etablieren.
Chinesische Forschende haben nun auf molekularer und funktioneller Ebene untersucht, wie ein intranasaler Booster nach vorangegangener intramuskulärer SARS-CoV-2-Impfung eine besonders wirksame mukosale IgA-Antwort in den oberen Atemwegen auslöst, und ob und warum diese Antwort in ihrer Schutzwirkung deutlich über das hinausgeht, was klassische, systemisch applizierte Impfstoffe typischerweise erreichen. Seine Ergebnisse hat das Team um Professor Dr. Si Chen vom National Clinical Research Center for Respiratory Disease der Guangzhou Medical University, China, im Wissenschaftsjournal »JCI Insight« publiziert.
Die Forschenden zeigen, dass ein nasal applizierter Adenovirus-Vektor-Booster (Ad5-S-Omicron, NB2155) die vorhandene systemische B-Zell-Gedächtnisantwort nicht nur auffrischt, sondern sie gezielt in Richtung IgA-Klassenwechsel und mukosales Homing umprogrammiert.
Dazu verglichen die Forschenden zunächst gereinigte nasale sekretorische IgA-Antiköroer (sIgA) und die von denselben Probanden gewonnenen Serum-Antikörper (IgG und IgA). Alle Versuchspersonen hatten nie die natürliche Infektion durchgemacht und waren zuvor zweimal mit einem inaktivierten Ganzvirus-Impfstoff geimpft worden. Vor dem intranasalen Booster war bei diesen Probanden praktisch keine Spike-spezifischen IgA-Antikörper in der Nasenschleimhaut nachweisbar.
Nach zwei intranasalen Dosen hingegen ließ sich sIgA in den typischen dimeren beziehungsweise polymeren Konfirmationen nach einer Nasenspülung isolieren. Pseudoviren verschiedener Varianten (WT, BA.1, BA.5, XBB.1.5) wurden von den nasalen sIgA-Antikörpern im Mittel etwa hundertmal potenter neutralisiert als von Serum-IgG -oder -IgA-Molekülen.
Besonders deutlich war das bessere Neutralisierungspotenzial gegenüber den Omikron-Linien. Gegen XBB.1.5 war nasales sIgA im Mittel mehr als 800-fach stärker wirksam als Serum-IgG. Und nasale sIgA-Antikörper erwiesen sich als mehr als 160-fach stärker neutralisierend als Serum-IgA-Antikörper.