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Digitale Kommunikation
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Immer mehr Emojis in E-Patientenakten

In der Alltagskommunikation sind Emojis inzwischen normal – nun tauchen Smileys, Symbole und Co. auch immer häufiger in medizinischen Unterlagen auf. Forschende plädieren für Richtlinien, um Missverständnisse zu vermeiden.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 21.01.2026  12:30 Uhr

Forschende haben mehr als 218 Millionen medizinische Notizen aus elektronischen Gesundheitsakten von rund 1,6 Millionen Patientinnen und Patienten analysiert und in etwa 4200 Nachrichten davon Emojis gefunden. Das klingt erst einmal nicht viel, es waren aber 372 verschiedene Icons. 

Die kleinen digitalen Bildchen, die Emotionen, Ideen oder Konzepte visuell ausdrücken, kommen laut dem Autorenteam um Dr. David A. Hanauer, klinischer Professor für Pädiatrie und Lernwissenschaften im Gesundheitswesen an der University of Michigan Medical School, inzwischen nicht nur häufiger als früher in elektronischen medizinischen Textnachrichtensystemen zum Einsatz, sondern sind auch vielfältiger geworden.

Die Vorlieben des Fachpersonals sind eindeutig, wie die Studienergebnisse im Fachjournal »JAMA Open Network« belegen. Mit 58,5 Prozent führen Smileys und Emoticons das Ranking an, gefolgt von Objekten mit 21,2 Prozent sowie Menschen und Körpern mit 17,6 Prozent. In vielen Mitteilungen finden sich auch gleich mehrere Emojis.

Lachendes Gesicht, Telefonhörer, Kalender

Den Spitzenplatz belegt das lächelnde Gesicht mit lächelnden Augen (1772-mal), dicht gefolgt vom Telefonhörer (544-mal) und dem Kalender (429-mal). Dagegen kommen das Pillen-Icon mit 85-mal, das Stethoskop mit 82-mal und das Krankenhausgebäude mit nur 30-mal im Vergleich deutlich seltener vor. Während diese Bilder noch eindeutig sind, wird es deutlich schwieriger mit der Interpretation, wenn die Symbole etwa für Feuer, Regenbogen oder Ahornblatt auftauchen.

Die meisten Emojis finden sich in kurzen Nachrichten vom klinischen Team an die Patientinnen und Patienten oder deren Angehörige – nur selten ersetzen die Icons laut Studie ein Wort, meist dienen sie der Betonung oder der Verfasser und die Verfasserin nutzen sie einfach ihrer selbst willen.

Noch sind Emojis in der medizinischen Dokumentation eine Randerscheinung, doch ihre Verwendung nimmt zu, wie sich im untersuchten Zeitraum von 2020 bis 2025 herausstellte. War 2000 bis 2024 die Nutzungsrate mit 1,4 Emojis pro 100.000 Notizen noch recht stabil, kletterte sie im dritten Quartal 2025 dann auf 10,7. Eine Erklärung dafür hat das Autorenteam nach eigenen Angaben nicht.

Übrigens: Nach den Akten der 10- bis 19-Jährigen weisen ausgerechnet jene der 70- bis 79-Jährigen besonders viele Emojis auf. Insbesondere bei den Älteren sorgen sich die Forschenden um mögliche Missverständnisse. Auch aus diesem Grund empfehlen sie allen Gesundheitseinrichtungen, klare Richtlinien für den Einsatz der Bildchen in der Arzt-Patientenkommunikation zu entwickeln.

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Emotionen

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