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EU-Jahresbericht
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Immer mehr Drogen, immer mehr Tote

In Europa gibt es von Jahr zu Jahr immer mehr neue Drogen und auch immer mehr Todesopfer. Die EU spricht von einer «wachsenden Bedrohung». Die traurige Rangliste wird erneut von Deutschland angeführt. Dabei hätten die Menschen oft keine Ahnung, was sie da einnehmen.
AutorKontaktdpa
Datum 12.06.2024  15:30 Uhr

Europa bekommt das Problem mit illegalen Drogen trotz aller Bemühungen nicht in den Griff. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA, deutsch auch EBDD) spricht in ihrem Jahresbericht 2024 von einer «wachsenden Bedrohung» und meldet einen neuen Anstieg der drogenbedingten Todesfälle.

Besonders gefährlich seien aktuell hochwirksame synthetische Substanzen, neue Drogenmischungen und sich verändernde Konsummuster, warnt die EMCDDA in dem Bericht, der am Dienstag am Behörden-Sitz in Portugals Hauptstadt Lissabon sowie auch in Brüssel veröffentlicht wurde.

«Der Drogenkonsum wird in Europa schlimmer», stellte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson bei der Präsentation unumwunden klar. «Immer häufiger mischen Menschen in Europa verschiedene Drogen und nehmen potenziell tödliche Cocktails aus unterschiedlichen Arten von Drogen ein (...). Die Menschen haben keine Ahnung, was sie einnehmen.»

81 neue Opioide in den letzten 15 Jahren

Große Sorgen bereitet, neben anderen Bedrohungen, insbesondere das laut EMCDDA «wachsende Opioid-Problem». Seit 2009 seien insgesamt 81 neue synthetische Opioide auf dem europäischen Drogenmarkt aufgetaucht, betonte Johansson. «Kriminelle entwickeln ständig neue Drogen, um einer Entdeckung zu entgehen», klagte die Schwedin.

Es wird geschätzt, dass es 2022 mindestens 6392 Überdosis-Todesfälle im Zusammenhang mit Drogen in der Europäischen Union gab, davon 1631 allein in Deutschland. Das ist EU-weit zwar nur ein geringer Anstieg im Vergleich zu 2021 (6166). Aber neben der seit Jahren steigenden Tendenz (2020 waren 5796, ein Jahr davor 5141 Todesfälle gemeldet worden) ist zu berücksichtigen, dass es sich hier lediglich um eine Mindestschätzung handelt. Unter anderem auch, weil nicht alle Länder alle Todesfälle erfassen.

Heroin und vor allem synthetische Opioide wie Fentanyl, die in den USA für eine verheerende Gesundheitskrise sorgen, und Nitazen, das als noch gefährlicher als Fentanyl gilt und in Europa seit Kurzem auf dem Vormarsch ist, spielen auf dem europäischen Markt im Vergleich zu Nordamerika noch eine relativ kleine Rolle. Aber sie waren, manchmal in Kombination mit anderen Substanzen, schätzungsweise bei knapp drei Vierteln aller 2022 in der EU gemeldeten tödlichen Überdosierungen im Spiel.

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