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Abwasserrichtlinie
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Hersteller befürchten Kassen-Kollaps

Als Folge der geplanten EU-Abwasserrichtlinie, die Herstellern hohe Mehrkosten beschert, könnten Arzneimittel vom Markt verschwinden, meldete zu Wochenbeginn der »Spiegel«. Auch Metformin-haltige Präparate wären betroffen. Pro Generika warnt vor einem Kollaps der Kassen.
AutorKontaktPZ
Datum 28.05.2025  09:52 Uhr

Die Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) sieht vor, Klärwerke mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten. Die Kosten sollen zum Großteil von Arzneimittelherstellern getragen werden. Dass mit der geplanten Neuregelung die Produktionskosten auch für die Diabetesversorgung in die Höhe getrieben werden könnten, berichtete der »Spiegel«. Demnach könnte die geplante Regelung auch die Versorgung mit Metformin-haltigen Präparaten gefährden. Dies nimmt der Herstellerverband Pro Generika zum Anlass, erneut auf die  »verheerenden« Auswirkungen der geplanten Vorgaben auf die Versorgung hinzuweisen.

Hersteller gehen seit Längerem gegen die Richtlinie vor und warnen anhaltend vor explodierenden Arzneimittelkosten, sollte die geplante Beteiligung der Hersteller an der Abwasserreinigung nicht zurückgenommen werden. Rückenwind erhielten die Verbände unlängst aus Straßburg. Das Europäische Parlament meldete Nachbesserungsbedarf an und verlangte eine neue Folgenabschätzung.

Auf die möglichen Konsequenzen weist auch Pro Generika in der Mitteilung hin. Die Produktionskosten für Metformin könnten sich demnach um 445 Prozent erhöhen und die Produktion unwirtschaftlich machen. Leidtragende seien vor allem die Patientinnen und Patienten, die gegebenenfalls ihr Medikament wechseln müssten, das zeige das Beispiel Metform deutlich. »Die Kommunale Abwasserrichtlinie muss überprüft und es müssen neue Wege zur Finanzierung gefunden werden, die nicht zulasten der Versorgungssicherheit gehen«, warnte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika.

Fiele Metformin als Mittel der ersten Wahl weg, müssten die Patienten auf teurere Alternativen ausweichen, heißt es weiter. Die gesetzlichen Krankenkassen müssten die Mehrkosten tragen – im Fall von Metformin wären es laut Pro Generika bis zu 1,5 Milliarden Euro jährlich. Zu befürchten sei ein Kollaps  der Gesetzlichen Krankenversicherung.

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