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MVZ und Versandhandel
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Hamburger Apotheker und Ärzte warnen vor Fremdinvestoren

Die Hamburger Heilberufekammern berichten, dass der Einfluss von Fremdinvestoren auf Arztpraxen und auch Apotheken wächst. Sie wünschen sich mehr Schutz und Transparenz.
AutorKontaktPZ
Datum 18.08.2022  13:30 Uhr

Am Mittwochabend hatten die Hamburger Kammern der Apotheker, Humanmediziner, Tier- und Zahnärzte sowie Psychotherapeuten erstmals gemeinsam zu einem politischen Sommerabend eingeladen. Sie nutzten die Gelegenheit, um mit Politik und Medien darüber zu sprechen, welchen Einfluss Investoren auf die ärztliche Behandlung und die Apotheken nehmen. Durch den offiziellen Teil führte Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer.

Im pharmazeutischen Bereich nähmen Investoren neben der Übernahme von Versandapotheken durch Verträge für Vermietung und Marketing Einfluss auf Vor-Ort-Apotheken, berichtete stellvertretend für alle Kammern Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg. In den vergangenen zwei bis drei Jahren seien in Hamburg zudem vermehrt Arztpraxen von Investoren aufgekauft worden. Bei den Zahnarztpraxen sei inzwischen schon mehr als ein Viertel aller medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in der Hand solcher Gesellschaften. »In den anderen Heilberufen ist die Entwicklung nach unserem Eindruck vergleichbar«, so Emami.

Peter Tschentscher warnt vor Investoren-Einfluss

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, selbst Mediziner und am Mittwochabend zu Gast, äußerte seine Bedenken vor Einflussnahme durch Investoren und versprach Unterstützung. Der Stadtstaat Hamburg hatte bereits bei der Gesundheitsministerkonferenz im Juni das Bundesgesundheitsministerium dazu aufgefordert, Regelungen zu treffen, um die Aktivitäten von Fremdinvestoren mit ausschließlichen Kapitalinteressen im Gesundheitswesen zu begrenzen, zum Beispiel Gründungsbefugnisse zu begrenzen. Dies begrüßten die Heilberufekammern ausdrücklich. Sie sehen das Patientenwohl gefährdet.

Zudem forderten sie mehr Transparenz für die Patienten, um die Besitzverhältnisse deutlich zu machen. Denn es mache für Patientinnen und Patienten genauso wie für die dort angestellten Ärztinnen und Ärzte oder Apothekerinnen und Apotheker einen Unterschied, ob die Praxis oder Apotheke von einem Unternehmen mit maximalen Gewinnerwartungen oder wie bisher von einem Mitglied der Heilberufekammern geführt werde, so Emami. »Zumindest darüber sollte Transparenz herrschen, zum Beispiel, indem auf dem Praxisschild zwingend anzugeben ist, wer der eigentliche Eigentümer ist.«

Bürgermeister Tschentscher dankte noch explizit allen Heilberuflern für Engagement in der Corona-Pandemie. Gerade in der Corona-Pandemie seien sie extrem gefordert gewesen und hatten große zusätzliche Anforderungen zu bewältigen.

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