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Baden-Württemberg
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Halber Prozentpunkt Vorsprung für die Grünen

Historisches Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg: Die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir haben sich knapp vor die CDU gesetzt und wurden stärkste Kraft. Auf Platz drei kam die AfD, die SPD sackte auf ein Allzeit-Tief ab. Im Landtag gibt es nun mehr Sitze und weniger Parteien.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 09.03.2026  09:18 Uhr

Mit 30,2 Prozent für die Grünen und 29,7 Prozent für die CDU ist der Abstand denkbar knapp, bis zuletzt hatte es gestern ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben. Die AfD erreicht den dritten Platz mit 18,8 Prozent, während die SPD mit 5,5 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte holte. FDP und Linke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Über Monate hatte die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen gelegen, der Abstand war erst kurz vor der Wahl stark geschmolzen. Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir überzeugte offenbar als Person; auf ihn war der Wahlkampf offensiv zugeschnitten. Punkten konnte Özdemir auch wohl mit seiner Distanzierung von unpopulären Ampelthemen. In seinem Wahlkreis Stuttgart II erzielte er mit 47,9 Prozent den höchsten Wert aller Direktkandidierenden im Land.

Die CDU mit Manuel Hagel legte im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2021 (24,1 Prozent) deutlich zu, aber am Ende reichte es nicht für Platz 1, wohl auch weil Hagel zuletzt Patzer unterlaufen waren. Kritiker meinen zudem, er habe zu wenig an Profil gewonnen, weshalb unvorteilhafte Videos im Schlussspurt seine Umfragewerte ramponierten. Das Agieren der Union in Berlin dürfte obendrein eine Rolle gespielt haben.

SPD und FDP historisch schlecht

Stark zulegen konnte die AfD, die mit 18,8 Prozent drittstärkste Partei wurde. Die SPD rutschte auf ein historisches Tief von 5,5 Prozent und schaffte nur knapp den Wiedereinzug in den Landtag; Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte noch am Wahlabend seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP und Linke verpassten mit jeweils 4,4 Prozent den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde und werden im neuen Landtag nicht vertreten sein.

Insgesamt ziehen damit vier Parteien in den auf 157 Sitze angewachsenen Landtag ein: Grüne und CDU stellen jeweils 56 Abgeordnete, die AfD 35, die SPD 10. Mit 53 Frauen in dem Parlament ist der Anteil im Vergleich zum Ende der vergangenen Legislaturperiode minimal gestiegen. Das neue neue Landtagswahlrecht hatte erstmals Überhang- und Ausgleichsmandate in großem Umfang erzeugt.

Baden-Württemberg wird seit 2011 von den Grünen regiert, zuletzt in einer Koalition mit der CDU unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der zu dieser Wahl nicht mehr angetreten ist. Für die Fortführung von Grün-Schwarz sind die Weichen gestellt.

Was die Parteien und ihre Spitzenkandidaten zur Apothekenstärkung im Land sagen und welche gesundheitspolitischen Ziele sie verfolgen, hat die PZ vorab berichtet. So zeigte sich Özdemir »alarmiert« vom anhaltenden Apothekensterben, die CDU kündigte an, die Apotheken als esseziellen Baustein der Gesundheitsversorgung zu stärken. SPD-Spitzenkandidat Stoch plädierte dafür, dass Apotheken stärker in der Prävention eingesetzt werden sollten.

Amelie Vollmer, eine der drei Linken-Spitzenkandidatinnen, erläuterte die Rolle, die Apotheken bei der Gesundheitsbildung spielen könnten, FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke warb für weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Apotheke mit verantwortlichen Approbierten. AfD-Mann Markus Frohnmaier sprach sich gegen eine allgemeine Impfpflicht aus, die es in Deutschland ohnehin nicht gibt.

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