| Melanie Höhn |
| 17.02.2026 17:00 Uhr |
77 Prozent der Arbeitgeber im Gesundheits- und Life-Sciences-Bereich haben der Erhebung der Manpowergroup zufolge Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. / © Adobe Stock/bluedesign®
Der Gesundheits- und Life-Sciences-Sektor steht weltweit vor einer doppelten Herausforderung: Während der Bedarf an medizinischer Versorgung durch demografischen Wandel, chronische Erkrankungen und ein sich wandelndes Gesundheitsbewusstsein weiter steigt, verschärft sich der Fachkräftemangel in der Branche dramatisch. Dennoch ist der globale Ausblick für diesen Sektor trotz weltweiter makroökonomischer Herausforderungen vorsichtig optimistisch.
Das geht aus einem neuen Report des Personaldienstleisters Manpowergroup hervor. Gleichzeitig wachse der Druck, Künstliche Intelligenz (KI) schneller und wirksamer in Prozesse, Forschung und Personalstrategien zu integrieren. Zu den wichtigsten Treibern zählen KI-Innovationen: Sie werden Abläufe neu gestalten, die Produktivität steigern und entlang der gesamten Wertschöpfungskette neue Chancen eröffnen.
77 Prozent der Arbeitgeber im Gesundheits- und Life-Sciences-Bereich haben der Erhebung zufolge Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Besonders betroffen seien pflegerische Berufe, medizinische Spezialistinnen und Spezialisten sowie daten- und technologieaffine Rollen, heißt es in dem Report »World of Work Outlook 2026 – Ausblick für die Gesundheits- und Life-Sciences-Branche«.
Parallel dazu würden bislang nur 19 Prozent der Unternehmen KI umfassend nutzen, um ihre Einstellungs- und Recruiting- Prozesse zu verbessern – trotz ihres hohen Potenzials, Abläufe zu beschleunigen und Personalengpässe abzufedern. Auch gehe es darum, beispielsweise die Produktion wieder in die Länder zurückzuholen und die damit verbundenen neuen Standorte erfolgreich und mit dem richtigen Personal aufzubauen.
»Die Gesundheitsbranche steht unter enormem Handlungsdruck: Der Fachkräftemangel gefährdet nicht nur Wachstum, sondern zunehmend auch die Versorgungssicherheit, gerade auch hier in Europa. Gleichzeitig bietet KI große Chancen – allerdings nur dann, wenn Unternehmen sie strategisch einsetzen und ihre Mitarbeitenden gezielt darauf vorbereiten«, sagt Iwona Janas, Country Manager der Manpowergroup Deutschland.
KI wird laut der Erhebung bereits erfolgreich in Diagnostik, Früherkennung, Forschung, Arzneimittelentwicklung und Prozessoptimierung eingesetzt. Krankenhäuser und Pharmaunternehmen würden datenbasierte Analysen, »digitale Zwillinge« und Automatisierung nutzen, um Effizienz und Qualität zu steigern. Dennoch bleibe die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Herausforderung. Viele Beschäftigte würden sich unzureichend vorbereitet fühlen, insbesondere im Umgang mit neuen Technologien.
Gleichzeitig betonten die befragten Arbeitgeber, dass ethisches Urteilsvermögen, Patientenorientierung und Kommunikationsfähigkeit zu den am schwierigsten automatisierbaren Kompetenzen zählen. Diese Fähigkeiten würden jedoch gerade in den pflegerischen Berufen zählen. Die Branche stehe damit vor einem Balanceakt: technologische Innovation vorantreiben und zugleich menschliche Fähigkeiten gezielt stärken.
Neben KI rücke auch die strategische Personalplanung in den Fokus. Steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und der sogenannte »Patent Cliff« (Umsatzrückgang nach Ablauf des Patentschutzes für Blockbuster-Produkte) in der Pharmaindustrie erhöhe den Druck zusätzlich. Hier gehe es um Milliardenumsätze und Veränderungen in der Wertschöpfungskette. Viele Unternehmen würden mit zurückhaltender Einstellungspolitik reagieren, was den Fachkräftemangel langfristig weiter verschärfen könnte, so die Autoren des Reports.
»Wer heute ausschließlich auf Kostensenkung setzt, riskiert morgen Versorgungsengpässe und Innovationsverluste. Entscheidend ist eine vorausschauende Workforce-Strategie: mit gezieltem Upskilling, internationalem Recruiting und dem intelligenten Einsatz externer Fachkräfte«, resümiert Manager Iwona Janas.
Der Report empfiehlt unter anderem gezielte Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme für KI- und Digital-Kompetenzen, den Ausbau internationaler Talentpools, stärkere Mitarbeitendenbindung, insbesondere erfahrener Fachkräfte.
Die generelle Beschäftigungs- und Arbeitsmarktumfrage der Manpowergroup befragt regelmäßig rund 39.000 Unternehmen in über 40 Ländern. Dieses Instrument fließt auch in Branchenreports ein und liefert Basisdaten.