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Südafrika
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Gericht entscheidet für Apotheker und gegen Ärzte

Ein Gericht in Südafrika schmetterte eine Klage einer Ärzteorganisation ab und gab den Apothekern recht. Damit haben sie nun grünes Licht, um HIV- und Tuberkulose-Patienten Medikamente zu verschreiben.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 16.11.2023  12:30 Uhr

Der South African Pharmacy Council (SAPC) hat mit der Einführung seiner Initiative PIMART (Pharmacy-Initiated Management of Antiretroviral Treatment) Erfolg. Im Rahmen dessen ist es speziell geschulten Pharmazeutinnen und Pharmazeuten möglich, HIV- und Tuberkulose-Patienten selbst Arzneimittel zu verschreiben.

Die Richterin am Obersten Gerichtshof der südafrikanischen Verwaltungshauptstadt Pretoria, Elmarie van der Schyff, hat vor Kurzem die Klage der Ärzteorganisation IPA-Foundation (Independent Practitioners Association) abgewiesen. Wie der südafrikanische Nachrichtendienst »News 24« berichtete, wollten die Ärzte das Programm stoppen. Sie fühlten sich durch die Initiative der Apotheker überrumpelt und übergangen. Demnach fehlte ihnen zum einen die Zeit für eine Stellungnahme, bevor der Apothekerverband SAPC das Programm umsetzte. Und zum anderen kritisierten die Mediziner, dass das Vorhaben »ungerechtfertigter Weise« in den Zuständigkeitsbereich der Ärzte eingreife.

Aus Sicht des Gerichts aber steht das Verschreibungsprogramm im Einklang mit der Vision der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dem Ziel also, eine allgemein zugängliche medizinische Grundversorgung zu fördern. »Der ungenutzte Wert der Apotheker im Kampf gegen HIV wurde auch durch die effiziente Rolle der Apotheken bei der Deckung des Gesundheitsbedarfs und der Bereitstellung von Gesundheitsdiensten während der Covid-19-Pandemie unterstrichen«, betonte die Richterin laut »News 24«.

Berufliche Spannungen

Die Richterin sieht den Streit auch in beruflichen Spannungen begründet. Apotheker und Ärzte arbeiteten in unterschiedlichen und getrennten Berufsfeldern, deren »Grenzen streng bewacht« würden und in denen »einige Spannungen« herrschten, zitiert sie der Nachrichtendienst. Das sieht sie unter anderem in der Befürchtung der Ärzte begründet, PIMART könne »die Schleusen öffnen« und den Weg dafür ebnen, dass Apotheker in Zukunft auch andere Arzneimittel verschreiben dürfen.

Van der Schyff will demnach künftig explizit den Bürgern mit den entsprechenden Erkrankungen die Wahl lassen, ob sie sich für ihre Medikamente an einen speziell ausgebildeten Apotheker oder an einen Allgemeinmediziner wenden. Die Ärzteorganisation wurde dazu verdonnert, die Verfahrenskosten zu tragen.

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