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Apothekensterben in Bremen 
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»Gerade die Stadtteilapotheken finden keinen Nachfolger«

Bremen hat im vergangenen Jahr mehr als 4 Prozent seiner Apotheken verloren. Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen, erklärt, warum gerade die Stadtteilapotheken besonders betroffen sind und was passieren muss, damit die Übernahme einer Apotheke wieder attraktiver wird. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 21.01.2026  10:30 Uhr

Auch im Jahr 2025 mussten wieder zahlreiche Apotheken schließen. Mit 16.601 Betriebsstätten ist die Zahl der deutschen Offizinen auf den niedrigsten Stand seit 1977 gefallen. Betrachtet man die Schließungszahlen der einzelnen Bundesländer, sticht Bremen besonders heraus.

Die Hansestadt hat allein im Jahr 2025 4,1 Prozent ihrer Apotheken verloren und liegt damit deutlich vor den übrigen Ländern auf einem traurigen Spitzenplatz. Im Jahr 2010 gab es im kleinsten Bundesland 174 Apotheken. Am Ende des Jahres 2025 waren es noch 118.

»Eigentlich haben wir bundesweit die gleichen Probleme«, erklärt Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen, gegenüber der PZ. »Doch bei uns sind es vor allem die Stadtteilapotheken, die schließen müssen, weil sich kein Nachfolger findet«. Die seit Jahren stagnierenden Honorare machten die Übernahme einer Apotheke für junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten zunehmend unattraktiv. Die kleinen Stadtteilapotheken befänden sich außerdem oft in älteren Häusern und müssten renoviert werden – weitere Kosten, die den Nachwuchs abschrecken. 

Weniger Praxen in der Peripherie 

Hinzu komme, dass immer mehr Ärzte in Ärztehäusern oder medizinischen Versorgungszentren (MVZ) arbeiten. »Die Ärzte waren früher stärker verteilt. Doch in Bremen werden Kassensitze nicht für die einzelnen Stadtteile, sondern für die ganze Stadt vergeben. Daher gibt es in vielen Vierteln keine Praxen mehr und die Apotheken verschwinden mit ihnen«, erklärt die Geschäftsführerin der Apothekerkammer. 

Auch andere Faktoren wie das E-Rezept hätten zu einer Veränderung der Apothekenlandschaft geführt. Doch für Isabel Justus ist die finanzielle Frage ausschlaggebend. »Es geht nur mit mehr Geld. Die Kollegen finden keine Mitarbeiter mehr und Pharmazieabsolventen wollen nicht mehr in der Apotheke arbeiten. Die Apotheken sind aufgrund der geringen Verdienstmöglichkeiten nicht mehr so attraktiv«, klagt die Geschäftsführerin der Kammer. 

Isabel Justus berichtet, dass die Bremer Politik schon auf das Apothekensterben aufmerksam geworden sei und man sich bei der Kammer erkundigt habe, ob andere Versorgungsmodelle notwendig seien. »Zum Glück können die Apotheken die Versorgung der Patienten noch gewährleisten. Aber ich hoffe wirklich, dass das Apothekensterben bald endet. 118 Apotheken sind sehr wenig«, sagt Justus. 

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