Mentale Fitness: Übungen und Routinen können helfen, Ruhe zu bewahren, Überforderung zu vermeiden und die innere Balance zu stärken. / © Adobe Stock/Song_about_summer
Den Vorsatz, sich nicht mehr so schnell stressen oder aus der Fassung bringen zu lassen, haben viele Menschen. Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Die Psychologin und Psychotherapeutin Miriam Junge möchte Menschen dabei unterstützen, bewusster mit ihren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Gegenüber der dpa erklärt sie, welche Rolle Gelassenheit dabei spielt und warum mentale Ordnung dazu beitragen kann, nachhaltig etwas zu verändern.
Kann man Gelassenheit lernen? »Ja«, sagt Junge. »Gelassenheit ist nichts, womit man einfach geboren wird. Sie ist ein Zustand, den man Schritt für Schritt lernen kann.« Sie beginne dann, wenn wir innehielten, wahrnehmen würden, was gerade in uns los sei, und dann bewusst handelten. Gelassenheit bedeute, bei sich zu bleiben – auch wenn es außen hektisch wird. Sie helfe dabei, den Überblick zu behalten, statt impulsiv zu reagieren.
»Gelassenheit bedeutet aber nicht, dass einem alles egal ist. Im Gegenteil. Wir nehmen wahr, was passiert, aber wir lassen uns nicht sofort davon mitreißen. Wir bleiben innerlich ruhig und handlungsfähig.«
Was bringt uns aus der Balance? Und kann man sich darauf vorbereiten? »Oft sind es gar nicht die äußeren Umstände, sondern innere Muster, die uns aus der Ruhe bringen«, so die Psychologin. Zum Beispiel: Überforderung, Perfektionismus, das Gefühl, alles kontrollieren oder allen gefallen zu müssen. »Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen oder uns zu wenig abgrenzen, geraten wir schnell unter Druck.«
Vorbereitung heißt also, sich selbst gut zu kennen. Zu merken, wann es zu viel wird. Und rechtzeitig gegenzusteuern. Junge: »Schon kleine Atempausen oder ein kurzer Check-in mit sich selbst können helfen. Und die Erkenntnis, dass man im Leben nie fertig ist.«
Wie kann eine Art Trainingsplan für mehr Gelassenheit aussehen? »Gelassenheit ist wie ein Muskel, den wir stärken können. Wer regelmäßig übt, sich nicht sofort in Gedanken und Gefühlen zu verlieren, sondern erst einmal wahrzunehmen, was gerade los ist, verändert etwas in sich.« Gelassenheit entstehe durch Wiederholung. Und durch Freundlichkeit mit sich selbst, betont sie.