Diese gefälschte Xanax-Tablette enthielt kein Alprazolam. Stattdessen wurden Nitazene, Oxycodon und Paracetamol darin gefunden. / © DIZ
Im März fand die Drug-Checking-Stelle des Drogeninformationszentrums Zürich (DIZ) in einer vermeintlichen Xanax-Tablette statt des zu erwartenden Wirkstoffs Alprazolam 0,1 mg Oxycodon, 0,2 mg Paracetamol und unbekannte Nitazene in nicht bestimmbarer Menge. Um welche Nitazen-Derivate es sich genau handelt, konnte noch nicht abschließend festgestellt werden. Die gefälschten Tabletten wurden in einer Pfizer-Verpackung über einen deutschen Online-Shop im Clearnet, also dem öffentlich zugänglichen Teil des Internets, verkauft. In einem Rundschreiben hat der Landkreistag Baden-Württemberg die Landratsämter darüber informiert.
Nitazene sind extrem potente Substanzen, die hauptsächlich in der Forschung eingesetzt werden. Es handelt sich um synthetisch hergestellte, abgewandelte Opioide. Bei oraler Einnahme kann die Wirkung je nach Derivat bis zu mehrere hundert Mal stärker sein als Oxycodon, warnt das DIZ. Daher ist die Gefahr einer Überdosierung sehr hoch, schon in geringen Mengen. »Nitazen-Derivate stehen im Zusammenhang mit mehreren Todesfällen«, warnt die Drug-Checking-Stelle.
»Nach wie vor gilt: Bei auf dem Schwarzmarkt beziehungsweise nicht über Apotheken bezogenen (vermeintlichen) Medikamenten oder Prodrugs kommt es immer wieder zu Falschdeklarationen. Das Vergiftungsrisiko ist insgesamt als hoch einzuschätzen«, warnt der Landkreistag Baden-Württemberg. Gefälschte Medikamente seien häufig optisch nicht mehr von echten Medikamenten zu unterscheiden.
Das DIZ veröffentlicht regelmäßig Warnungen zu untersuchten Drogen im Rahmen des Drug Checkings auf der Website www.saferparty.ch. Das deutsche Projekt »mindzone« gibt auf seiner Website ebenfalls regelmäßig Warnungen aus dem »National Early Warning System« (NEWS) vor gefälschten Tabletten und neu in Deutschland detektierten Substanzen bekannt.