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LAK Hessen
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Funke warnt vor »Lauterbach-Filialen« neben Arztpraxen

Die Präsidentin der Apothekerkammer Hessen, Ursula Funke, hat im Vorfeld des morgigen Protesttags in Dortmund erneut deutliche Kritik an den Liberalisierungsplänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geäußert: »Die Menschen brauchen mehr Pharmazie, mehr Apotheker und kein Wegrationalisieren.«
AutorKontaktPZ
Datum 14.11.2023  08:25 Uhr

Die derzeitige Situation sei katastrophal, noch nie habe es so viele Apothekenschließungen gegeben, so Funke. »Nach dem Aktionstag im Sommer protestiert die Apothekerschaft erneut, weil die Vorschläge von Gesundheitsminister Lauterbach nicht geeignet sind, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zu sichern, im Gegenteil, diese Pläne zerstören die von den Patienten gewollte wohnortnahe Apothekenstruktur.«

Lauterbach sieht reduzierte Auflagen für Filialapotheken vor – ohne Rezeptur, Notdienste und teilweise ohne approbiertes Personal. »Das wird eine Zwei-Klassen-Versorgung«, warnt Funke. Die »Lauterbach-Filialen« würden nicht im ländlichen Raum entstehen, wo es wenige Apotheken gibt, sondern an Orten in der Nähe von Arztpraxen, die stark frequentiert werden, ist die Kammerpräsidentin überzeugt. Filialen ohne Apotheker wären aus Sicht der Kammer »Arzneimittelabgabestellen ohne die gewohnte Sicherheit«.

Weg frei für Fremdbesitz und Ketten

Funke sieht in den Plänen einen Angriff auf das derzeitige Apothekensystem: Die »Lauterbach-Filialen« würden unter dem Deckmantel der Liberalisierung über Aufweichung und dann Wegfall des Mehrbesitzverbots den Weg für Fremdbesitz, Ketten und Fremdkapital ebnen.

Gleichzeitig habe der Gesetzgeber den Apothekern neue Aufgaben wie Impfen und pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) übertragen. Gerade zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit sei die erweiterte Medikationsberatung für Patienten unerlässlich. Nach Lautbachs Vorstellungen sollten sogar weitere Präventionsangebote in den Apotheken angeboten werden.

Um das derzeit hervorragende System zu erhalten, müsse es stabilisiert werden. Die aktuelle wirtschaftliche Situation vieler Apotheken sei angespannt. »Aufgrund der unattraktiven Rahmenbedingungen durch schlechte Bezahlung, zunehmende Kontrollpflichten und hohen bürokratischen Aufwand fällt es den Apothekern zudem immer schwerer, Personal zu finden«, warnt die Kammer Hessen. Viele ältere Apotheker fänden keinen Nachfolger mehr und müssten ihre Apotheke schließen. Das bedeute weitere Wege für die Patienten.

Viele Apotheken in Hessen bleiben daher aus Protest am 15. November geschlossen. Gemeinsam mit den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland protestieren die Apothekenteams aus Hessen auf einer gemeinsamen Kundgebung in Dortmund. Die Notdienstapotheken sichern die Versorgung. Weitere Proteste sind am 22. November in Stuttgart sowie am 29. November in Dresden geplant.

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