| Brigitte M. Gensthaler |
| 05.01.2026 12:30 Uhr |
Manifestiert sich eine Hypophosphatasie schon im Mutterleib oder in den ersten Lebensmonaten, sterben viele Babys an der Stoffwechselerkrankung (Symbolbild). / © Adobe Stock/Wanmongkhol
Die Hypophosphatasie ist eine seltene genetische Erkrankung des Knochen- und Phosphatstoffwechsels. Ursächlich sind Mutationen im ALPL-Gen, das für das Enzym TNSALP (Tissue Non-Specific Alkaline Phosphatase, gewebeunspezifische alkalische Phosphatase) codiert. Die alkalische Phosphatase (auch AP abgekürzt) ist ein lebenswichtiges Enzym, das bei der Mineralisation von Knochen und Zähnen sowie in Nieren, Leber und im zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle spielt.
Mehr als 400 verschiedene Mutationen im ALPL-Gen sind als Ursache für eine Hypophosphatasie bekannt. Mutationen können die Enzymaktivität dämpfen, stark vermindern oder ganz aufheben. Sekundär akkumulieren AP-Substrate wie Pyridoxal-5´-Phosphat und anorganisches Pyrophosphat.
»Die Hypophosphatasie ist eine systemische lebenslange Störung, die die Knochenqualität und die Funktion der Zähne betrifft, aber auch andere Organsysteme wie Muskulatur, Verdauungstrakt und Nieren«, berichtete Professor Dr. Florian Barvencik vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf Ende vergangenen Jahres bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Die Erkrankung könne im Kindes- oder Erwachsenenalter auftreten, informierte der Oberarzt am Institut für Osteologie und Biomechanik. Schwere lebensbedrohliche Formen werden schon im Mutterleib und in den ersten Lebensmonaten manifest (DOI: 10.1055/a-2009-9454). Etwa die Hälfte der Betroffenen sterbe im ersten Lebensjahr.
Bei milden Formen mit beträchtlicher Restaktivität der AP seien die klinischen Beschwerden milder und oft unspezifisch, zum Beispiel Knochenschwäche, Ermüdungsfrakturen, schlechter Zahnstatus und Zahnverlust, körperliche Schwäche, chronische Schmerzen und Müdigkeit. »Die Erkrankung wird oft verwechselt mit Rachitis, Osteoporose, rheumatoider Arthritis oder Fibromyalgie.« Bis zur richtigen Diagnose könne es durchschnittlich sechs bis acht Jahre dauern.
Barvencik wies auf zahnärztliche Kontrollen hin, denn eine sichtbare Manifestation seien ein enger Oberkiefer und durchsichtige Zähne. »Typisch sind früher Zahnverlust, zum Beispiel eines Milchzahns mit Wurzel vor dem fünften Lebensjahr, und unklarer Zahnverlust bei Erwachsenen.«
Wegweisend in der Diagnostik sind stark erniedrigte AP-Werte im Serum und erhöhte Konzentrationen der Substrate. Eventuell solle dann eine genetische Analyse erfolgen, sagte Barvencik. Detektierte Varianten im ALPL-Gen sind ein sicherer Nachweis für die Stoffwechselerkrankung.