Anstatt gegen das Schlafbedürfnis anzukämpfen, gibt es andere Wege zum Erfolg. »Wer Schlaf als Grundlage von Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit versteht, der findet natürlich langfristig einen viel besseren Weg als über einfache Erfolgsrezepte«, sagt Amann-Jennson. Dieser Weg beginne nicht mit früherem Aufstehen, sondern mit der Bereitschaft, die eigenen biologischen und psychologischen Grenzen ernst zu nehmen.
»Ich würde sagen, bei begrenzter Lebenszeit und einem begrenzten 24-Stunden-Tag sollte man gut überlegen, was man wie gewichtet«, rät Högl. Um langfristig gesund zu bleiben, gehöre neben einer gesunden Ernährung, Bewegung und sozialem Umfeld eben auch ausreichend Schlaf.
Die teure dreifach gepolsterte Matratze ist nach Amann-Jennson nicht ausschlaggebend für einen guten Schlaf. Und Schlafexpertin Högl nennt vier Voraussetzungen, die man für eine erholsame Nachruhe berücksichtigen sollte.
Dunkelheit: Im Schlafzimmer sollte es möglichst dunkel sein. Rollos, blickdichte Vorhänge oder eine Schlafmaske sind hierbei hilfreich. Wer seine Einschlafzeit verkürzen oder etwas nach vorn verschieben möchte, könne bereits ein bis zwei Stunden vor dem Ins-Bett-Gehen das Licht dimmen.
Ruhe: Für einen ausgeruhten Schlaf sollte es so still wie möglich sein. Selbst kleine Lärmquellen, die einen nicht wecken, könnten unterschwellig den Schlaf stören.
Temperatur: Die Schlafzimmertemperatur sollte nicht zu warm sein. Denn man schlafe am besten ein, wenn die individuelle Körperkerntemperatur absinke. Das gehe dann, wenn man Wärme aus dem Körper an die Umgebung abgeben könne. Das passiere meist über Hände und Füße.
Essenszeit: Die letzte Mahlzeit des Tages sollte sich nach dem Schlaf richten. Sie sollte nicht zu spät abends oder nicht zu knapp vor der Einschlafzeit sein. Ebenfalls nicht empfehlenswert ist es, mit komplett leerem Magen ins Bett zu gehen.
Wer zu wenig schläft, riskiert laut Högl eine Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses, des Sprachflusses, der Emotionsregulation oder der Entscheidungsfähigkeit. Auch die Schmerzempfindlichkeit sei höher. Langzeitstudien zeigten, dass Menschen, die chronisch zu wenig schlafen, ein höheres Risiko für Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck haben, so die Expertin.
»Aus biologischer Sicht haben 95 Prozent der Menschen einen unzureichenden Schlaf, von klein bis groß«, sagt Amann-Jennson. Schlafmangel sei nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Etwa Schulen starteten zu früh, auch Arbeitszeiten seien für viele Menschen nicht mit der inneren Uhr vereinbar.
Schlafmangel wirke sich auch auf das soziale Miteinander aus: »Die Müdigkeit führt Menschen dazu, weniger empathisch und dafür viel aggressiver zu werden.« Man wisse das, kritisiert Amann-Jennson. Dennoch sei niemand in der Lage, dies zu ändern.