| Christina Hohmann-Jeddi |
| 04.03.2026 15:36 Uhr |
© Getty Images/thianchai sitthikongsak
Eine Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) schützt vor Infektionen mit diesen Viren, die an der Entstehung einer Reihe von Krebserkrankungen beteiligt sind. Neben Gebärmutterhalskrebs sind dies auch Tumore am Penis, Anus, an der Vulva oder im Mund-Rachen-Raum.
80 Prozent aller Menschen in Deutschland stecken sich aktuell noch im Laufe ihres Lebens mit den Viren an, informierte das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) im Vorfeld des Welt-HPV-Tags am 4. März. Während die meisten Infektionen folgenlos ausheilen, können manche auch Krebs auslösen: Jedes Jahr erkranken Schätzungen zufolge 10.000 Menschen in Deutschland an einer HPV-bedingten Krebserkrankung.
Seit dem Jahr 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für alle Mädchen zwischen neun und 14 Jahren als Krebsschutz, seit 2018 auch für alle Jungen in diesem Alter. Noch sind die Impfquoten in Deutschland aber verbesserungswürdig. Laut Daten des Robert-Koch-Instituts hatten im Jahr 2024 nur gut die Hälfte der 15-jährigen Mädchen (55 Prozent) und gut ein Drittel der 15-jährigen Jungen (36 Prozent) einen vollständigen Impfschutz gegen HPV.
Die Studienlage für die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung ist sehr gut. Darauf wies vor Kurzem der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hin, der zwei aktuelle Cochrane-Reviews und eine Bevölkerungsstudie zitiert. Diese belegen: Die Impfung ist sicher und kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich reduzieren – besonders bei Frauen, die in jungen Jahren geimpft wurden, heißt es vom KID.
So berichtete ein Team um Nicholas Herschke von der Cochrane Collaboration in London im November 2025, dass die HPV-Impfung das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, um etwa 80 Prozent senkt, wenn sie im Alter von 16 Jahren oder früher verabreicht wird (DOI: 10.1002/14651858.CD015363.pub2). Darüber hinaus verringere sie das Auftreten hochgradiger Krebsvorstufen am Gebärmutterhals sowie von anogenitalen Warzen heißt es in der Publikation. Die Impfung sei nicht mit einem erhöhten Risiko für langfristige Nebenwirkungen oder Unfruchtbarkeit verbunden. Besonders wirksam ist sie, wenn sie spätestens bis zum Alter von 16 Jahren und damit idealerweise vor Beginn sexueller Aktivität erfolgt, schreibt das Team.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine schwedische, landesweite Registerstudie, deren Ergebnisse Ende Februar im »British Medical Journal« publiziert wurden (DOI: 10.1136/bmj-2025-087326). Ein Team um Shiqiang Wu vom Karolinska-Institut in Stockholm hatte mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 18 Jahren das langfristige Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs nach Impfung mit einem quadrivalenten HPV-Impfstoff, der also gegen vier HPV-Hochrisikotypen gerichtet ist, untersucht.
Insgesamt wurden etwa 926.000 Mädchen und Frauen verschiedener Geburtsjahrgänge aus Schweden eingeschlossen, von denen rund 39,5 Prozent mindestens eine Impfdosis erhielten und damit als geimpft galten. Während der Beobachtungszeit traten 930 Fälle von invasivem Zervixkarzinom auf – 97 bei Geimpften und 833 bei Ungeimpften.
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche und anhaltende Risikoreduktion durch die Impfung. Frauen, die vor dem 17. Lebensjahr geimpft wurden, hatten im Vergleich zu Ungeimpften ein um etwa 79 Prozent geringeres Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs.
Dieser Schutz hielt über 13 bis 15 Jahre an – ohne Hinweise auf ein Nachlassen der Wirkung, berichtet das Team um Wu. Auch bei Frauen, die im Alter von 17 Jahren oder älter geimpft wurden, war das Risiko signifikant reduziert (um 37 Prozent). Die Ergebnisse zeigen zudem einen Rückgang der Gebärmutterhalskrebsfälle auf Bevölkerungsebene im Zeitverlauf.
Dass auch Ungeimpfte von Impfkampagnen profitieren, verdeutlicht eine andere bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden, die vor Kurzem im Fachjournal »The Lancet Public Health« veröffentlicht wurde (DOI: 10.1016/S2468-2667(25)00297-X) . Den Ergebnissen zufolge sinkt in Altersgruppen mit hoher HPV-Durchimpfungsrate auch bei ungeimpften Frauen das Risiko für seltene hochgradige Zellveränderungen am Gebärmutterhals. Dieses sogenannte Herdenschutz-Phänomen spricht dafür, dass die Impfung nicht nur individuell wirkt, sondern auch die Verbreitung der Viren in der Bevölkerung insgesamt verringert.
»Damit liegen die bislang umfassendsten und aktuellsten wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der HPV-Impfung vor«, sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des KID, in der Mitteilung.
In einem zweiten Cochrane-Review untersuchte ein Team um Hanna Bergmann die Sicherheit der HPV-Impfstoffe. Die Analyse von 60 randomisierten, kontrollierten Studien mit mehr als 157.000 Teilnehmenden ergab, dass alle vier HPV-Impfstoffe zuverlässig vor einer anhaltenden Infektion mit den vom jeweiligen Impfstoff abgedeckten HPV-Typen schützen. Zudem zeigte sich, dass die Impfung die Zahl der Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen innerhalb eines Nachbeobachtungszeitraums von sieben Jahren verringerte.
Zum Sicherheitsprofil ergab die Analyse: Nach der Impfung treten meist nur kurzfristig anhaltende und leichte Nebenwirkungen auf, wie etwa Schmerzen, Schwellungen oder Rötung an der Einstichstelle. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen waren in der Gruppe der Geimpften nicht häufiger auf als nach Placebo-Injektion.