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Lungenkrebs-Screening
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Frauen könnten von umfangreicheren Kriterien profitieren

Voraussichtlich ab April 2026 wird ein Lungenkrebs-Screening für Risikopersonen zur Kassenleistung. Neue Daten zeigen, dass durch die Anwendung zusätzlicher Kriterien zu Alter und Rauchhistorie deutlich mehr Fälle detektiert werden können – insbesondere bei Frauen.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 07.01.2026  14:00 Uhr

Anspruchsberechtigt für das Lungenkrebs-Screening mittels Computertomografie (CT), das voraussichtlich im April 2026 eingeführt wird,  sind gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre stark geraucht haben oder 15 Packungsjahre, also 20 Zigaretten täglich für 15 Jahre, aufweisen können.

Die Daten der kürzlich in »The Lancet Oncology« veröffentlichten HANSE-Studie zeigen jedoch, dass diese Kriterien möglicherweise zu kurz greifen. Ein Team um Professor Dr. Jens Vogel-Claussen von der Charité Berlin zeigte, dass die geplanten Kriterien nicht alle Patienten mit einem Risiko für Lungenkrebs erfassen. »Wenn wir mehr Faktoren berücksichtigen, entdecken wir knapp 20 Prozent mehr Lungenkrebsfälle«, so Vogel-Claussen.

Knapp 20 Prozent mehr Fälle erkannt

Die Forscher verglichen in einer prospektiven Kohortenstudie die für Deutschland vorgesehenen Kriterien Alter und Rauchhistorie (NELSON-Kriterien) mit dem sogenannten PLCOm2012-Score. Dieser bezieht auch Bildungsstand, Body-Mass-Index (BMI), chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), frühere Krebserkrankungen und familiäre Lungenkrebsbelastung in die Risikobewertung mit ein.

Die Studie schloss 5191 Teilnehmer aus drei deutschen Lungenkrebszentren ein (2208 Frauen, 2983 Männer), die die NELSON-Kriterien (3916 Teilnehmer) und/oder die PLCO-Kriterien (4167 Teilnehmer) erfüllten und damit als Hochrisikopatienten gelten. Zu Studienbeginn sowie nach einem Jahr erhielten sie eine Niedrigdosis-CT. Primärer Endpunkt der Studie war die Erkennungsrate von Lungenkrebsfällen.

Im einjährigen Beobachtungszeitraum wurden insgesamt 111 Fälle von Lungenkrebs festgestellt, davon 85 im Frühstadium. Blickt man auf die beiden Überkategorien an Risikofaktoren, ergibt sich für Patienten mit PLCOm2012-Risikostatus eine Erkennungsrate von 2,59 Prozent (108 Krebserkennungen bei 4167 Teilnehmern). Von den 3916 Teilnehmern mit NELSON-Kriterien wurden 85 mit Krebs diagnostiziert; hier fiel die Erkennungsrate mit 2,17 Prozent niedriger aus.

Dadurch, dass nicht nur Patienten mit NELSON-, sondern auch mit PLCOm2012-Status gescreent wurden, mussten zwar 6 Prozent mehr Patienten zur Untersuchung – gleichzeitig wurden aber auch 19,4 Prozent mehr Fälle von Lungenkrebs entdeckt.

Geschlechtsspezifische Analyse offenbart Benefit für Frauen

Insbesondere Frauen scheinen von den erweiterten Kriterien zu profitieren. Bei ihnen wurden mehr Fälle von Lungenkrebs detektiert als bei Männern: Während bei 2,63 Prozent der Studienteilnehmerinnen Krebs identifiziert wurde (58 von 2208), traf dies nur auf 1,78 Prozent der männlichen Teilnehmer zu (53 von 2983).

Bei den aktuell geplanten Kriterien fallen rauchende Frauen oft durchs Raster, weil sie – obgleich starke Raucherinnen – weniger Zigaretten konsumieren als Männer, resümieren die Forscher. Sie vermuten, dass dieser sowie andere Risikofaktoren bei Frauen schwerer ins Gewicht fallen. Dadurch werde gerade beim weiblichen Geschlecht Lungenkrebs oft zu spät entdeckt.

Die Studie zeige, dass die Anwendung der PLCOm2012-Kriterien signifikant effizienter ist, um Patienten mit hohem Lungenkrebsrisiko zu detektieren und zu diagnostizieren, schreiben die Forscher.

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