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Pharmacon-Eröffnung
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Forderungen an die Politik

Jubiläum in Meran. Zum 60. Mal findet in diesem Jahr der Pharmacon in Meran statt. Bei der Eröffnung des Kongresses wurde der Präsident des Bundesapothekerkammer (BAK), Thomas Benkert, politisch. Er forderte mehr Wertschätzung vonseiten der Politik für den Beruf der Apothekerin und des Apothekers. Dabei blieb es aber nicht. Auch mehr Geld muss zügig her und an den Rahmenbedingungen einiges geändert werden.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 26.05.2024  14:08 Uhr

»Wir befinden uns in einer Phase der Veränderungen in der Welt der Apotheke«,  sagte Benkert zu Beginn seiner Rede und verwies zum Beispiel auf das E-Rezept und Werkzeuge der künstlichen Intelligenz. Der BAK-Präsident betonte, dass es dabei um Randbedingungen und Unterstützungsprozesse geht, nicht aber um den Kern der originären Aufgabe der Apotheken, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen.

Benkert ist sich dabei sicher, dass diese neuen Tools für die Apotheken keine großen Herausforderungen sind. »Mit unseren Fähigkeiten werden wir auch die neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen wissen, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland modern und zukunftsgewandt zu gestalten. Hier steht keine Zeitenwende an, sondern die konsequente Weiterentwicklung in unserer Berufsausübung.«

Anders sieht es in puncto Wertschätzung der Politik für die Arbeit der öffentlichen Apotheken aus: Die Ideen für eine Apothekenreform, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Form seiner Eckpunkte in die Welt gebracht hat, bedeuten eine Zeitenwende für die Apothekerschaft, so Benkert. »Eine Zeitenwende in ihrem schlechtesten Sinne!«

Benkert betonte, dass aus diesen Vorschlägen des Ministers hervorgeht, dass das Geld eindeutig den Weg bestimmt und nicht der Gesundheitsschutz der Bevölkerung, wofür der Staat im Rahmen der Daseinsvorsorge aber die Verantwortung hat. »Wir brauchen die Apothekerin beziehungsweise den Apotheker in der Apotheke und nicht nur im sogenannten Bedarfsfall telepharmazeutisch zugeschaltet. Apothekerin beziehungsweise Apotheker und Apotheke sind eine Einheit und sichern den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Die Absenkung des Schutzniveaus kann und darf nicht mit Fehlen von Geld begründet werden.«

Benkert machte klar, dass die Politik die heutige Situation vieler Apotheken mit herbeigeführt hat und jahrelang zugesehen hat, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken immer schwieriger wurden. Ein Viertel der Apotheken sei mittlerweile akut existenzgefährdet. Kommen die Lauterbachschen Vorschläge so wie angekündigt, dann wird die Zahl der Apotheken weiter und mit steigender Geschwindigkeit sinken, so Benkerts – leider wohl wenig gewagte – Prognose.

Fixum hoch und dynamisieren sowie finanzielle Soforthilfe zur Stabilisierung der Apotheken 

»Das kann definitiv nicht so weitergehen«, machte der Apotheker klar und nannte wichtige Forderungen an die Politik. Dazu zählen eine angemessene Erhöhung und eine Dynamisierung des Fixums. »Dafür benötigen wir klare Rahmenbedingungen, insbesondere, wenn es so wie angedacht kommen sollte, dass wir künftig das Fixum mit dem GKV-Spitzenverband verhandeln. Eine bloße Umverteilung vorhandener Mittel hilft nicht weiter.«

Weitere Notwendigkeiten sind laut Benkert eine finanzielle Soforthilfe zur Stabilisierung der Apotheken und eine schnelle Reaktion auf das Skontourteil des Bundesgerichtshofes und die Möglichkeit, weiterhin Skonti, die zusätzlich zu Rabatten über 3,15 Prozent hinaus gehen, in handelsüblicher Höhe vereinbaren zu dürfen.

»Mit Blick auf das E-Rezept fordern wir, dass der Gesetzgeber mit Nachdruck dafür sorgt, dass die Preisbindung durchgesetzt wird – auch gegenüber dem ausländischen Versandhandel«, nannte Benkert eine weitere Forderung. Last, but not least würden die Apotheken wegen der fortbestehenden Lieferengpässe Handlungsfreiheiten benötigen, wie sie während der Coronavirus-Pandemie galten.

Zum Schluss seiner Eröffnungsrede kündigte Benkert an, dass er Ende 2024 nicht mehr kandidieren und damit aus dem Amt des BAK-Präsidenten ausscheiden werde.

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