8 von 10 der befragten Unternehmen erwarten eine ernsthafte Krise in Deutschland infolge von hybriden Angriffen. / © Adobe Stock/ธนากร บัวพรหม
Anfang Januar mussten nach einem Anschlag mehr als 100.000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen, mehr als 2000 Unternehmen, darunter auch Apotheken, waren betroffen. »Hybride Angriffe auf Deutschland, die sich in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen, sind kein potenzielles Risiko, sie sind Realität. Deshalb müssen wir die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv hochfahren«, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Eine Befragung von 604 Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Bitkom-Verbands ergab, dass die deutsche Wirtschaft schlecht gegen hybride Angriffe gerüstet ist. Keine der befragten Firmen hält sich für sehr gut darauf vorbereitet, nur 12 Prozent für eher gut. 38 Prozent geben an, eher schlecht vorbereitet zu sein, weitere 40 Prozent sind gar nicht vorbereitet. 35 Prozent planen aber, Vorkehrungen zu treffen. Eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent hält es für wahrscheinlich, selbst Ziel hybrider Angriffe zu werden. »Wir müssen die Lücke zwischen Gefahrenbewusstsein und Schutzniveau schnellstmöglich schließen«, so Wintergerst.
Bei einem Internetausfall könnten Unternehmen im Schnitt ihren Geschäftsbetrieb nur 20 Stunden aufrechterhalten, jedes fünfte (21 Prozent) müsste sogar sofort die Arbeit einstellen, ergab die Umfrage. Umgekehrt seien nur 8 Prozent der Befragten sicher, länger als 48 Stunden weiterarbeiten zu können.
Zudem erwarten 8 von 10 der befragten Unternehmen eine ernsthafte Krise in Deutschland infolge von hybriden Angriffen. Zugleich rechnen drei Viertel der Unternehmen wegen zunehmender Spannungen zwischen Russland und der NATO mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe. Mehr als die Hälfte der Unternehmen geht sogar von einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und der NATO in den kommenden fünf Jahren aus.
Als besonders gefährdet gelten laut Umfrage die Energieversorgung sowie Banken und Versicherungen. 77 Prozent sagen, die Wasser- und Abwasserversorgung sei stark gefährdet, 67 Prozent die Lebensmittelversorgung, 65 Prozent das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten und 64 Prozent Telekommunikation und IT.
»Zum notwendigen Schutz gehört zuallererst, es potenziellen Angreifern nicht unnötig leicht zu machen. Wir sollten darauf verzichten, Datenleitungen im Gigabit-Grundbuch öffentlich zugänglich zu verzeichnen, denn das bedeutet ein zusätzliches Risiko für Sabotageakte«, erklärte Wintergerst. »Wir brauchen im Bereich kritischer Infrastrukturen Datensparsamkeit und ein strenges Sicherheits- und Zugangskonzept.«