| Cornelia Dölger |
| 24.03.2026 17:28 Uhr |
Proteste in Berlin – mit einem ähnlichen Motiv bebilderte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ) einen Text, der mögliche Leistungskürzungen im Gesundheitswesen thematisiert. / © Imago/Ipon
Die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung soll grundlegend reformiert werden, um den Sozialstaat zukunftsfähig zu machen. Am kommenden Montag soll die Finanzkommission Gesundheit Sparmaßnahmen für 2027 vorstellen – die Dimensionen dürften gewaltig sein, denn allein für das kommende Jahr befürchten die Kassen ein Defizit von fast zwölf Milliarden Euro.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat der von ihr eingesetzten Finanzkommission aufgegeben, die Mehrausgaben von rund 950 Millionen Euro pro Jahr bei ihren Vorschlägen einzupreisen, die durch die angekündigte Honorarerhöhung für Apotheken entstehen. Um den Kurs der Ministerin zu stützen, die Pläne schnell in die Tat umzusetzen, gingen gestern rund 25.000 Apothekenmitarbeitende in vier Großstädten auf die Straße und protestierten für die zugesagten 9,50 Euro pro Rx-Packung. Viele Medien griffen den Protesttag auf, informierten über die Beweggründe und gaben Tipps zur Notdienstversorgung.
In der »FAZ« findet sich das Protestthema auch – allerdings auch im Zusammenhang mit Befürchtungen vor Leistungseinschnitten durch die Sparmaßnahmen. Der Text dreht sich eigentlich darum, dass die Kassen Geld sparen könnten, indem sie die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern abschaffen. Darüber hatte zuerst das »Handelsblatt« berichtet.
Zwischen die Einführung ins Thema – klamme Kassenlage – und das teure Instrument der Mitversicherung hat der Autor die Apothekenproteste geschoben und krönt den Text mit einem Aufmacherfoto, das Protestierende in weißen Kitteln in Berlin zeigt. Im Text selbst wird die ABDA zitiert, die das seit 13 Jahren stagnierende Honorar anprangert, sowie daran anschließend die Kassen, die diese Kritik als »Mär« abtun. Zwischen 2013 und 2024 seien die Honorare vielmehr um 26 Prozent auf rund 7,1 Milliarden Euro im Jahr gewachsen. Das bekräftigte der GKV-Spitzenverband gestern in einer Pressemitteilung.
Ob der Autor mit der Text-Bild-Kombination und der Themenvermengung nahtlos an den Krawallkommentar aus der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« aus dem vergangenen Oktober anknüpfen wollte, wonach »keiner Apotheken braucht«, ist unklar. Bei den Protesten haben viele Stimmen aus Politik, Verbänden und Patientenvertretungen indes klargemacht, dass es nicht so ist.