| Daniela Hüttemann |
| 12.01.2026 13:30 Uhr |
Wenn Kinder und Jugendliche auffällig müde sind, ständig Durst haben und häufig auf die Toilette müssen, kann Typ-1-Diabetes vorliegen. Der neue Antikörper muss noch früh eingesetzt werden: bei abnormen Blutzuckerwerten und dem Vorliegen von Auto-Antikörpern. / © Getty Images/Carol Yepes
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die eigenen Immunzellen die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen. Teplizumab soll diesen Prozess bremsen und helfen, die Eigentoleranz wiederherzustellen. Das funktioniert am besten in frühen Phasen der Erkrankung. So wurde der neue Arzneistoff für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren zugelassen, die sich in Stadium 2 eines Typ-1-Diabetes finden. In diesem Stadium kommt bereits zu abnormen Blutzuckerwerten, die Betroffenen sind jedoch noch asymptomatisch. Es lassen sich aber entsprechende Autoantikörper nachweisen.
Teplizumab soll den Übergang in Stadium 3 verzögern, wenn bereits ein signifikanter Anteil der Betazellen zerstört ist und die Symptome wie ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, unerklärlicher Gewichtsverlust und generelle Erschöpfung auftreten.
In der Phase-II-Studie TN-10 mit 76 Teilnehmenden waren es im Schnitt 48,4 Monate, bis die Patienten von Stadium 2 in Stadium 3 übergingen; unter Placebo dagegen schon nach 24,4 Monaten. Am Ende des Studienzeitraums waren 57 Prozent der Teilnehmenden in Stadium 2 verblieben gegenüber 28 Prozent unter Placebo.
Die Therapie besteht aus einem einzigen 14‑tägigen Behandlungszyklus, an dem die Patienten täglich eine Infusion erhalten. Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen das Blutbild und das Knochenmark sowie die Haut (Ausschlag). Bei 2 Prozent der Teilnehmenden kam es zu einem Zytokin-Freisetzungs-Syndrom, einer sehr schweren Nebenwirkung. Hier soll es ein risikominimierendes Management geben.
Es ist die erste krankheitsmodifizierende Therapie, die für Typ-1-Diabetes zugelassen wurde. Außerhalb der EU ist der Antikörper unter dem etwas anderen Namen Tzield® bereits im Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, China, Israel, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait zugelassen. In den USA läuft ein Antrag auf eine Zulassungserweiterung für Kinder ab einem Jahr.
Sanofi hat entschieden, nicht mit einem zweiten Zulassungsantrag für Patienten mit frisch diagnostiziertem Stadium 3 fortzufahren. Begründet wird dies nicht. Die nächsten Schritte würden derzeit geprüft.