| Kerstin A. Gräfe |
| 02.12.2025 09:30 Uhr |
Die Langzeitsicherheit des Präparats ist laut Fachinformation derzeit nicht abschließend beurteilbar. Dies betrifft vor allem die langfristigen Auswirkungen der Makrophagen-Depletion auf Leber, Haut, zentrales Nervensystem und Knochenmark.
Ein weiterer Warnhinweis gilt einem Anstieg der Serumenzyme, darunter AST, ALT, alkalische Phosphatase, Kreatinphosphokinase (CPK) und Kreatinin. Eine Vimseltinib-Behandlung ist bei Patienten mit vorbestehenden erhöhten Serumtransaminasen, erhöhtem Gesamtbilirubin/erhöhtem direkten Bilirubin oder akuter Leber- beziehungsweise Gallenwegserkrankung zu vermeiden. Die Leberfunktion sollte vor Behandlungsbeginn, einmal monatlich während der ersten zwei Monate und danach vierteljährlich während des ersten Behandlungsjahres überprüft werden.
Bei mäßig oder stark eingeschränkter Leberfunktion sowie stark eingeschränkter Nierenfunktion sollte der neue Wirkstoff nicht zum Einsatz kommen. Kontraindiziert ist Vimseltinib in der Schwangerschaft. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für 30 Tage nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Bei Verwendung hormoneller Kontrazeptiva sollte zusätzlich eine Barrieremethode angewendet werden. Der Schwangerschaftsstatus gebärfähiger Frauen muss vor Beginn und während der Behandlung kontrolliert werden. Auf das Stillen sollen Frauen während der Behandlung verzichten.
In puncto Wechselwirkungen sollte eine gleichzeitige Anwendung von BCRP-, P-gp- und OCT2-Substraten vermieden werden.
Wirksamkeit und Sicherheit von Vimseltinib wurden in der Phase-III-Studie MOTION belegt. Insgesamt erhielten 123 Patienten zweimal wöchentlich entweder 30 mg Vimseltinib oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Gesamtansprechrate (ORR) in Woche 25, ermittelt durch eine verblindete unabhängige radiologische Überprüfung gemäß RECIST v1.1. Diesen erreichten unter dem neuen Wirkstoff 40 Prozent der Patienten, unter Placebo kein Patient (0 Prozent).
Auch in den sekundären Endpunkten erzielte Vimseltinib statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen gegenüber Placebo in Woche 25. Dazu zählten unter anderem der aktive Bewegungsumfang, körperliche Funktionsfähigkeit, Lebensqualität und schlimmste Steifheit sowie ein Ansprechen bezüglich der schlimmsten Schmerzen.
In einer deskriptiven Analyse in Woche 97 hatten 23 Prozent der Patienten, die randomisiert Vimseltinib erhielten, gemäß der RECIST-v1.1-Kriterien eine vollständige Remission (CR), wobei die mediane Zeit bis zur CR 11,5 Monate betrug.
Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren erhöhte Leberenzymwerte, Schwellung um die Augen, erhöhte Cholesterolspiegel, Ausschlag, erhöhte Kreatininwerte, verminderte Neutrophilenzahl, Müdigkeit, Ödeme, Juckreiz und Hypertonie.
Tenosynoviale Riesenzelltumoren (TGCT) können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen, da sie Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen verursachen. Die CSF1/CSF1R-Signaltransduktionsachse spielt bei der Entstehung von TGCT eine wichtige Rolle. Vimseltinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der am Rezeptor von CSF1 (CSF1R) angreift und ihn hemmt. Auch Imatinib wirkt als Antagonist an diesem Rezeptor, hat aber bekanntlich auch andere Targets. Vimseltinib hemmt selektiv den CSF1R und ist die erste in der EU bei TGCT zugelassene Pharmakotherapie. Wie die Studienergebnisse zeigen, können infrage kommende Patienten von der Therapie stark profitieren. Der Wirkstoff kann die Größe des Tumors verringern; bei einigen Patienten war er gar nicht mehr nachweisbar. Zudem weisen die Daten darauf hin, dass Vimseltinib im Vergleich zu Placebo die Beweglichkeit und Gelenksteifigkeit der Patienten verbessern kann. All dies spricht für die vorläufige Einstufung als Sprunginnovation.
Vorläufig ist dabei ein wichtiges Stichwort. Die EMA weist zum Beispiel darauf hin, dass aufgrund der begrenzten verfügbaren Sicherheitsdaten eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen Sicherheit des Arzneimittels besteht. Um diese auszuräumen, muss der Hersteller nun eine Studie durchführen.
Gut möglich, dass Vimseltinib zukünftig auch hierzulande Konkurrenz bekommen wird. In den USA ist der CSF1R-Hemmer Pexidartinib ebenfalls bei TGCT zugelassen. Zudem gibt es in der Pipeline noch Emactuzumab, einen gegen den CSF1R gerichteten Antikörper.
Sven Siebenand, Chefredakteur