Nach der feierlichen Übergabe der Urkunden und Zertifikate: Professor Dr. Hanna Seidling, Professor Dr. Cornelia Mahler, Simon Siuts, Johanna Seelbach, Andreas Iffland, Minna Ong, Luisa Dullin, Katrin Peise, Stefanie Resch, Professor Dr. Ulrich Jaehde (von links) / © Dorothee Müssemeier
Vor fast genau drei Jahren hatte die erste Kohorte mit dem Studium begonnen. Der berufsbegleitende, weiterbildende Masterstudiengang AMTS wird von der Universität Bonn in Kooperation mit den Universitäten Heidelberg und Tübingen im »Blended-Learning«-Konzept angeboten, das Präsenzlehre, Digitallehre und Selbststudium verzahnt. Vier Semester voller intensiver Diskussionen, Projektarbeiten und Praxiserfahrungen liegen hinter den neuen AMTS-Experten.
Studiengangsleiter Professor Dr. Ulrich Jaehde von der Universität Bonn betonte in seiner Begrüßung: »Wir wissen aus vielen Studien, dass die Anwendung von Medikamenten oft fehlerhaft ist. Gerade dann, wenn viele Medikamente gleichzeitig eingenommen werden müssen, führen Medikationsfehler oft zu gesundheitlichen Schäden und kosten viel Geld. Dabei sind sie häufig vermeidbar. Unsere Studierenden des Abschlussjahrgangs sind nun besonders qualifiziert, um in jedem denkbaren Umfeld mögliche Fehlerquellen zu entdecken sowie Maßnahmen zur Fehlervermeidung zu entwickeln und im Versorgungsalltag umzusetzen.«
Im Studiengang liegt ein besonderer Fokus auf der interprofessionellen Zusammenarbeit. Die Studierenden haben gelernt, »dass die Herausforderungen in der AMTS nur mit allen beteiligten Berufsgruppen gemeinsam zu bewältigen sind.«
Dass die Verabschiedung der ersten Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs und der AMTS-Zertifikatskurse etwas ganz Besonderes war, zeigte sich an der eindrucksvollen Besetzung der Grußworte. »Der Studiengang AMTS steht beispielhaft dafür, wie wir an der Universität Bonn wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden«, sagte Professor Dr. Klaus Sandmann, Prorektor für Studium, Lehre und Hochschulentwicklung. »Hier wird Wissen vermittelt, das dank unserer Absolventinnen und Absolventen direkt in der Versorgung von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Apotheken und anderen Einrichtungen zum Einsatz kommt.«
Mit dem Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Walter Witke, und Professor Dr. Matthias Weigl vom Institut für Patientensicherheit an der Medizinischen Fakultät würdigten zwei weitere führende Vertreter der Universität Bonn die Bedeutung des neuen Studiengangs für die Patientensicherheit. Auch Professor Dr. Werner Knöss, stellvertretender Leiter des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, das als Kooperationspartner an der Planung und Einrichtung des Studiengangs beteiligt ist, hob hervor, dass strukturiert ausgebildete AMTS-Experten dringend benötigt werden.
AMTS sei ein Herzensthema der Apotheker »und deshalb wird die Apothekerkammer Nordrhein die bereits begonnene Zusammenarbeit mit dem AMTS-Studiengang gern fortführen und Stipendien anbieten«, sagte Dr. Stefan Derix, Geschäftsführer der Kammer.
»Patientensicherheit und Fehlervermeidung müssen oberste Priorität haben«, betonte Hedwig Francois-Kettner, langjährige Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, in ihrer Festrede. AMTS sei kein Selbstläufer, sondern erfordere kontinuierliches, gemeinsames Engagement von allen Akteuren im Gesundheitswesen. Nur so könnten sich Patienten darauf verlassen, dass ihre Behandlung sicher, bedarfsgerecht und wissenschaftlich aktuell ist. Sie berichtete von zentralen Erkenntnissen aus 20 Jahren Patientensicherheit und beleuchtete aktuelle Herausforderungen im Medikationsprozess.
Festrednerin Hedwig Francois-Kettner / © Dorothee Müssemeier
Die beiden Leiterinnen der Standorte Heidelberg und Tübingen, Professor Dr. Hanna Seidling und Professor Dr. Cornelia Mahler, überreichten die Urkunden und Zertifikate.
»Ich entschied mich für das AMTS-Masterstudium, um als Apothekerin in zentralen Schnittstellenbereichen die Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten sicher, zukunftsorientiert und effizient mitzugestalten«, so Absolventin Johanna Seelbach.
Eine große Bereicherung sind für Minna Ong die Einblicke in die Patientenebene: »Beruflich werde ich weiterhin in der öffentlichen Apotheke tätig bleiben. Durch die im Studium gewonnenen Erkenntnisse kann ich viele Prozesse optimieren und die Patienten beispielsweise durch Aktionstage für bestimmte Themen sensibilisieren.«
Die Arzneimitteltherapie sei einer der fehleranfälligsten Prozesse im Krankenhaus, berichtete Absolvent Andreas Iffland, der sich seit zehn Jahren mit diesem Thema beschäftigt. »AMTS und die dazugehörigen Prozesse sind in meinem Krankenhaus mehr in den Fokus gerückt«, berichtete er.
Absolvent Simon Suits, der sich direkt nach dem Pharmaziestudium weiterbildete, gefiel besonders der intensive Austausch mit den anderen Studierenden und den Dozierenden. Sein Wissen will er zur Optimierung der pharmazeutischen Dienstleistungen in der Apotheke nutzen.
Für die Apothekerin Luisa Dullin stand der interprofessionelle Ansatz im Mittelpunkt. »Während des Studiums hat mir besonders die Diversität der Lehrinhalte und Lehrenden gefallen. Wir konnten dadurch auch Eindrücke aus anderen Ländern und Fachbereichen bekommen.« Nach Ende ihrer Elternzeit will sie sich in der öffentlichen Apotheke dem Thema der interprofessionellen Vernetzung widmen.
Zur Abrundung des feierlichen Abends durfte auch eine stimmige musikalische Begleitung nicht fehlen. Das studentische Rock-Quartett »Sick House« begeisterte mit passend ausgesuchten Stücken aus verschiedenen Jahrzehnten.
Das studentische Rock-Quartett »Sick House« sorgte für musikalische Unterhaltung. / © Dorothee Müssemeier
Die frischgebackenen Expertinnen und Experten werden nun daran arbeiten, die AMTS aktiv mitzugestalten und voranzutreiben. »Noch ist die Gruppe der AMTS-Absolventinnen und Absolventen klein, aber am Tag nach der Abschlussfeier hat die vierte Kohorte ihr Studium begonnen. So wird das Netzwerk stetig weiterwachsen«, resümierte Jaehde.