| Cornelia Dölger |
| 22.01.2026 13:00 Uhr |
Apothekeninhaber Gernot Pohl postete ein Video, in dem er auf die Risiken durch den EU-Arzneimittelversand hinweist. / © berli berlinski
Der Moderator ist seit Jahren Werbefigur des niederländischen Versenders. Dass der TV-Star trotz Kritik von Apothekenseite an seinem Deal festhalte und dabei offenbar ignoriere, wie riskant das EU-Versandgeschäft für die stationären Apotheken sei, enttäusche ihn, berichtet Apothekeninhaber Gernot Pohl der PZ. Dies artikuliert er in dem Video, das er Ende Dezember in sozialen Medien postete, auch sehr deutlich – ohne allerdings Jauch beim Namen zu nennen. Auch will er einen direkten Zusammenhang zwischen dessen Werbeengagement und dem Apothekensterben bewusst nicht herstellen. Seinem Frust und Ärger über die prekäre Lage vieler Apotheken will der Inhaber der Marien-Apotheke in Saal an der Donau dennoch Luft machen.
Ob ihm eigentlich bewusst sei, was sein Engagement langfristig mit der deutschen Apothekenlandschaft mache, fragt Pohl in dem Video das »Werbegesicht für eine ausländische Versandapotheke«. Allein im vergangenen Jahr hätten in Deutschland 500 Apotheken schließen müssen. Dieser Trend sei anhaltend und er verschärfe sich. Ursachen gebe es sicher einige, Versender mit ihrer aggressiven Preispolitik gehörten aber klar zu den Haupttreibern.
Apotheken stünden vor stetig steigenden Kosten bei gleichzeitig stagnierendem Honorar. »Wir sind also zum Wachstum gezwungen, um die Kosten kompensieren und überleben zu können«, so Pohl zur PZ. Dass der Versandhandel mit Rx seit der Einführung des E-Rezepts vor gut anderthalb Jahren an Fahrt aufnehme, verschärfe die Lage.
Mit den Apotheken verschwänden niedrigschwellige Anlaufstellen für Gesundheitsfragen, insbesondere auf dem Land, warnt der Inhaber. Apotheken seien Arbeitgeber, Steuerzahler, engagierten sich sozial. Der Umsatz der Versender fließe hingegen an der Wertschöpfung hierzulande vorbei. Eine über Jahrzehnte aufgebaute Versorgungsstruktur verschwinde »leise, aber stetig«.
Was ihn als selbstständigen Apotheker am meisten demotiviere, sei der Eindruck, dass in den stationären Apotheken zunehmend »die Problemfälle« landeten. Die einfachen, planbaren Dauermedikamente, »die Packungen, von denen wir leben«, wanderten ins Ausland ab. In den Apotheken verblieben beratungsintensive Fälle, hinzu komme oftmals das Lieferengpassproblem. »Wir stehen Rede und Antwort zu Medikamenten, die im Internet bei Ihnen gekauft werden«, spricht Pohl den Adressaten direkt an. Dies koste Nerven und es demotiviere das Fachpersonal.
Und trotz allem: Nach wie vor mache er den Job immer noch gern, betont Pohl. Denn ihm und seinem zehnköpfigen Team in der Marien-Apotheke sei am Wohlergehen der Patientinnen und Patienten gelegen. Auf seinen Post habe er »überraschend viel« gute Resonanz bekommen, von Patienten wie von Kollegen, so Pohl zur PZ. Viele hätten für seinen Frust Verständnis gezeigt. Bis dato gab es etwa 28.000 Clicks – »überschaubar« zwar, sagt Pohl. Es sei aber das meistgesehene Video seiner Apotheke. Pohl lädt darin den TV-Moderator zu einem Apothekenpraktikum ein. Bislang habe dieser sich noch nicht gemeldet.