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Gehirn passt sich an
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Eltern werden gegen Ekel immun

Eltern von Kleinkindern sind täglich Körperausscheidungen ausgesetzt. Mit der Zeit empfinden sie immer weniger Ekel, wie eine Studie zeigt. Eine Ausnahme bildet die Stillzeit.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 02.02.2026  09:00 Uhr

Grundsätzlich ist Ekel keine schlechte Reaktion. Er äußert sich oft als »Igitt«-Gefühl zum Beispiel beim Geruch verdorbener Lebensmittel oder beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Wir ziehen uns meist automatisch von ihm zurück, oft wird uns übel und es entsteht ein Brechreiz. Mit diesem Reflex versucht sich der Körper selbst vor Giftstoffen zu schützen.

Ein Forscherteam der Universität Bristol wollte verstehen, wie Ekel entsteht und ob er sich verändert, wenn man ihm wiederholt und langfristig ausgesetzt ist. Ausgangspunkt war, Wege zu finden, wie Menschen besser damit umgehen können, wenn sie beispielsweise in Pflegeberufen arbeiten.

Für das Autorenteam um Dr. Edwin Dalmaijer von der School of Psychological Science lag es nahe, dies anhand der Elternschaft zu untersuchen. Das natürliche Szenario bietet regelmäßig volle Windeln, Spucktücher, tropfende Nasen und verkrustete Münder. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal »Scandinavian Journal of Psychology«.

Evolutionäre Anpassungsreaktion

Die Fragebögen und Verhaltensdaten von 99 Eltern und 50 Nicht-Eltern ergaben: Nicht-Eltern vermieden Bilder von Körperausscheidungen häufig. Dazu gehörten Windeln mit Stuhl vor dem Abstillen (gelb und flüssig) oder nach dem Abstillen (wie bei Erwachsenen). Eltern hingegen zeigten die Abneigung nur, solange ihre Kinder ausschließlich Milch erhielten.

Nach dem Abstillen zeigen Mütter und Väter kaum noch Reaktionen auf den Reiz, auch nicht gegenüber anderen Körperausscheidungen. Laut dem Autorenteam weist dies darauf hin, dass die Exposition zu einer Art »Langzeit-Desensibilisierung« geführt hat.

Zudem zeigte sich: Eltern, deren jüngste Kinder noch gestillt wurden, reagierten mit einem ähnlichen Maß an Ekel wie Nicht-Eltern – auch wenn sie bereits ältere Kinder hatten.

Die Forschenden vermuten dahinter eine evolutionäre Anpassungsreaktion. Die höhere Abneigung während der Stillzeit könnte das Krankheitsrisiko für Säuglinge senken, während die spätere Unempfindlichkeit Eltern hilft, ihre Kinder zu versorgen, wenn sie krank sind.

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