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Rückkehr der Masern
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Eliminationsstatus der USA in Gefahr

Die Vereinigten Staaten erleben seit 2025 die schwerste Masern-Rückkehr seit Erklärung der Elimination im Jahr 2000. Aktuell läuft das Land Gefahr, den formalen Masern-Eliminationsstatus zu verlieren.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 27.01.2026  17:30 Uhr

Nach Daten der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurden allein im Jahr 2025 insgesamt 2255 bestätigte Masernfälle in 45 US-amerikanischen Bundesstaaten registriert. Fast 90 Prozent dieser Krankheitsfälle stehen im Zusammenhang mit klar identifizierten Ausbrüchen. Drei Todesfälle, darunter zwei Kinder, markieren die ersten masernbedingten Todesfälle seit einem Jahrzehnt. Bereits Mitte 2025 wurde damit der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2019 überschritten, was epidemiologisch einen Wendepunkt darstellt.

Vor diesem Hintergrund steht nun auch der formale Eliminationsstatus der USA auf dem Prüfstand. Die Elimination der Masern und Röteln wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als eine Unterbrechung einer endemischen Masern- oder Rötelntransmission über einen Zeitraum von mindestens 36 Monaten nach dem letzten Auftreten eines endemischen Falles in einer geografischen Region. Eine endemische Transmission bezeichnet das Auftreten einer kontinuierlichen Infektionskette über einen Zeitraum von zwölf Monaten oder länger.

Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO/WHO) hat jetzt angekündigt, den Status der USA und Mexikos im April 2026 neu zu bewerten. Maßgeblich ist dabei, ob es zu einer ununterbrochenen endemischen Übertragung identischer Virusgenotypen über mindestens zwölf Monate gekommen ist. Ein möglicher Verlust des Eliminationsstatus hätte zwar keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen, würde jedoch international als deutliches Signal für systemische Schwächen in Impfprogrammen, Surveillance und Krisenkommunikation gewertet.

Die epidemiologische Entwicklung in den USA

Der epidemiologische Schwerpunkt lag zunächst im Südwesten der USA, insbesondere in Texas, das zeitweise über 700 Fälle meldete. Von dort aus breiteten sich genetisch verwandte Viruslinien in weitere Bundesstaaten aus. Für 2026 wurden bis Ende Januar bereits 416 weitere Fälle dokumentiert, überwiegend als Fortsetzung der 2025 begonnenen Ausbrüche. Der hohe Anteil nicht oder unzureichend geimpfter Personen ist dabei auffällig: Über 90 Prozent aller Erkrankten waren ungeimpft oder hatten einen unbekannten Impfstatus. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, bei denen zugleich die Hospitalisierungsraten signifikant höher liegen als bei Erwachsenen.

Parallel zu dieser Entwicklung ist ein struktureller Rückgang der Impfquoten zu beobachten. Die landesweite Durchimpfung für Masern, Mumps und Röteln (MMR) bei Kindergartenkindern sank von über 95 Prozent (2019/2020) auf rund 92,5 Prozent im Schuljahr 2024/2025. Damit wird die für eine stabile Herdenimmunität notwendige Schwelle unterschritten, während sich gleichzeitig regionale Cluster mit deutlich niedrigeren Impfquoten herausgebildet haben. Diese Kombination begünstigt größere, länger anhaltende Ausbrüche, sobald das Virus, meist durch Reiserückkehrer, erneut eingeschleppt wird.

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch politische und gesellschaftliche Faktoren. Öffentliche Debatten über Impfungen, die wachsende Sichtbarkeit impfskeptischer Positionen sowie widersprüchliche Signale aus der Gesundheitspolitik haben das Vertrauen in Impfempfehlungen weiter belastet. Fachgesellschaften und Public-Health-Experten warnen übereinstimmend, dass ohne rasche Stabilisierung der Impfquoten, gezielte Nachholimpfungen und konsequente Ausbruchskontrolle eine erneute endemische Etablierung der Masern in den USA realistisch wird – ein Rückschritt mit erheblichen gesundheitlichen und ökonomischen Folgekosten.

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