| Carolin Lang |
| 13.10.2026 13:30 Uhr |
Das Bakterium Helicobacter pylori ist einer aktuellen Analyse zufolge weltweit für die meisten infektionsbedingten Krebserkrankungen verantwortlich. / © Getty Images/K_E_N
Für die Analyse griff die Forschungsgruppe auf die Datenbank »Cancer Today« des Global Cancer Observatory (GCO) der IARC zur Krebsinzidenz im Jahr 2024 zurück. Sie erstellte Schätzungen dazu, wie viele Krebsneuerkrankungen weltweit auf zwölf als krebserregend eingestufte Infektionserreger zurückgehen. Über die Ergebnisse berichtet sie im Journal »The Lancet Oncology«.
Von den schätzungsweise 2,3 Millionen neuen infektionsbedingten Krebsfällen brachte das Team die meisten mit dem Bakterium Helicobacter pylori und Humanen Papillomaviren (HPV) in Verbindung, nämlich 760.000 beziehungsweise 750.000 Fälle. Wiederum 360.000 neue Krebsfälle führten sie auf Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV), 260.000 auf Infektionen mit dem Eppstein-Barr-Virus (EBV) sowie 160.000 Fälle auf Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) zurück. Damit waren diese fünf Erreger für nahezu alle durch Infektionen verursachten Krebserkrankungen verantwortlich.
Die Auswertung zeigt deutliche geographische Unterschiede bei der Krankheitslast. So wurden mehr als drei Viertel der infektionsbedingten Krebserkrankungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verzeichnet. 42 Prozent entfielen auf Ostasien, vor allem aufgrund von Infektionen mit H. pylori und HBV. Besonders hoch war die Belastung auch in Subsahara-Afrika.
Nach Ansicht der Arbeitsgruppe ließe sich ein erheblicher Teil der infektionsbedingten Krebsfälle durch bereits bewährte Präventionsmaßnahmen verhindern, etwa durch Impfungen gegen HPV und Hepatitis B, die Diagnose und Behandlung von Infektionen mit H. pylori und viralen Hepatitiden, HPV-Screenings oder durch sichere Injektionspraktiken und den Zugang zu Kondomen. Gleichzeitig sieht sie weiteren Forschungsbedarf, insbesondere bei der Entwicklung neuer Präventionsstrategien gegen das Epstein-Barr-Virus.
Infektionsprävention ist also auch Krebsprävention, macht die Arbeitsgruppe deutlich. Doch wie können Infektionen Krebs überhaupt begünstigen? Die zugrundeliegenden Mechanismen erläutern John La Marca und Sarah Diepstraten vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research in Australien anlässlich der neuen Studie auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«.
Demnach können Viren das Erbgut der Wirtszelle direkt oder indirekt verändern und so eine Entartung begünstigen. Dies geschiehe hauptsächlich über drei Wege: Indem sie Schutzmechanismen der Wirtszelle gegen unkontrolliertes Wachstum außer Kraft setzen, ihre DNA in die der Wirtszelle einbauen oder krebsfördernde Gene, sogenannte Onkogene, mitbringen.
Anders als Viren begünstigten Bakterien und Parasiten Krebs meist indirekt. So könnten langanhaltende Infektionen und Entzündungen Gewebe erheblich belasten und so zu genetischen Veränderungen oder Fehlern bei der Zellteilung führen, die das Krebsrisiko erhöhen.
»Natürlich mag es noch andere Zusammenhänge zwischen Infektionen und Krebs geben, von denen wir nichts wissen«, schreiben La Marca und Diepstraten. Aber insgesamt sei der Zusammenhang zwischen Infektionen und Krebs unbestreitbar. Somit seien – wie die neue Studie untermauert – viele Krebserkrankungen vermeidbar.